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Pferdegeschichte(n) einst & jetzt: Notfallübung "Pferd im Fluss"
30.03.2024 / News

Notfallübungen sind für alle Einsatzkräfte und Rettungsorganisationen von entscheidender Bedeutung, um im Ernstfall gut vorbereitet, effizient und geordnet Hilfe bereitstellen zu können. Das Pferdespital PRO EQUO hat dabei in Österreich Pionierarbeit geleistet – wie diese Notfallübung „Pferd im Fluss“ aus dem Jahr 2004 eindrucksvoll zeigt.

 

In den 15 Jahren, in denen das Pferdespital PRO EQUO in der Gemeinde Pinsdorf bei Gmunden in Betrieb war, wurden an die 20 Notfallübungen abgehalten. Es wurde mit kleinen Aufgabenstellungen begonnen, die Dimension und die zu bewältigenden Anforderungen wurden laufend vertieft und erschwert. Stets lag den Übungsannahmen ein Realfall zugrunde, der in der Übung mit Lösungsansätzen „nachgespielt“ wurde. Unterstützung bekamen wird von Anbeginn von der Feuerwehr Wiesen und den angrenzenden Feuerwehren im Assistenzeinsatz, vom Österreichischen Roten Kreuz – Ortsstelle Gmunden (Rettungs- und Notfallsanitäter, Suchhunde-Staffel, Realistische Unfalldarstellung, Fahrzeuge, Leitstelle) sowie von den Notärzten MR Dr. Gottfried Koller und Dr. Christoph Hohn; Pferdesanitäter und Fire & Emergency VETS ergänzten die Notfallmannschaft tatkräftig.

Jeder Übung lag ein Drehbuch zugrunde, für dessen Realisierung immer die Pferdesanitäterin   und Rot Kreuz Lehrbeauftragte Mag. Dr. Brigitte Fellinger zuständig war, unterstützt durch die Protokoll- Führerin sowie Pferdesanitäterin und  Rettungssanitäterin Martina Klama.   


Pferd im Fluss
Die Übungsannahme bestand darin, dass eine Gruppe von Wanderreitern einen Fluss durchquert, der auf Grund der Schneeschmelze noch Hochwasser führt. Als fast alle Pferde das sichere Ufer erreicht hatten, blieb das letzte Pferd zwischen den Steinen im Flussbett hängen und konnte nicht mehr weiter, einige Reiter gerieten deshalb in Panik, fielen beim Erklimmen der Uferböschung von ihren Pferden und verletzten sich.

Notruf: Unbekannte Zahl von Verletzten nach Sturz von Pferden und ein im Flussbett eingeklemmtes Pferd.

Aufgabenstellung 1: Erkennen, Überlegen, Handeln – die Notfall-Trias

Die Unfallstelle war direkt neben einer vielbefahrenen Bundesstraße – also risikobehaftet. Zwei Personen blieben beim festgeklemmten Pferd, in Sichtweite wurde mit (mitgebrachten) Trassierbändern eine Behelfskoppel errichtet, die den Pferden eine optische Anlehnung und somit Sicherheit gab, das „Unfallpferd“ hatte aber die Gruppe immer  in Sichtweite.

Das festgeklemmte Pferd wurde abgesattelt, mit Longen und Führstrick gesichert und vom Reiter beruhigt. Mittlerweile waren die in der Nähe ansässige Feuerwehr und zwei Pferdesanitäter verständigt worden.

Der leitende Pferdesanitäter erkannte sofort die Gefahr, dass das Pferd im Falle einer spontanen Selbstbefreiung in der schnellen Strömung flussabwärts triften könnte und spannte - durch Helfer unterstützt – unterhalb des Pferdes zur Sicherung ein Seil quer über den Fluss, das sich auch bei der Versorgung des verletzten Feuerwehrmannes als hilfreich erweisen sollte.

Aufgabenstellung 2: Richtige Entscheidungen

Die eingetroffene Feuerwehr sollte - in der Übungsannahme- der Ansicht sein, das Problem ohne zusätzliche Hilfestellung, also insbesondere ohne Beiziehung tierärztlicher Hilfe, lösen und das festsitzende Pferd mittels Rettungsgeschirr befreien zu können. Als das Pferd angehoben wird, schlägt es aus und trifft einen der Feuerwehrleute, der zu Boden stürzt und nun versorgt werden muss und somit Einsatzkräfte bindet.

Nun erst  fällt die Entscheidung, einen Tierarzt „nach“ –zu  alarmieren.

Aufgabenstellung 3: Versorgung des verletzen Feuerwehrmannes, da der Rettungswagen mit verletzten Reitern bereits weggefahren ist.

Während sich Feuerwehrkameraden und Pferdesanitäter um den Verletzten kümmern, wird das noch immer im Wasser stehende Pferd unruhig, muss fixiert (Seil, Bullenführstange) und beruhigt werden. Der eingetroffene Tierarzt sediert das Pferd.

Aufgabenstellung 4: Heben des Pferdes mit dem Rettungsgeschirr

Der Tierarzt gibt den Feuerwehrleuten genau Instruktionen über den weiteren Vorgang. Das am Kopf V-förmig mit Seil und Führstange fixierte Pferd wird unter Spannung langsam und vorsichtig angehoben, während der „Landeplatz“ freigemacht wird. Nachdem das – sedierte – Pferd wieder Boden unter den Füssen hat, wird es tierärztlich weiterversorgt.

Aufgabenstellung 5: Parallele Versorgung

Während der Rettung des Pferdes aus dem Wasser ist der Notarzt eingetroffen, der eine ärztliche Versorgung des verletzten Feuerwehrmannes durchführt, der Verletzte wird in der Folge mit dem RTW abtransportiert.

Im Anschluss werden alle Pferde geregelt weggeführt.

Aufgabenstellung 6: Manöverkritik

Während der gesamten Übung wurde ein genaues Zeitprotokoll geführt. Beim anschließenden Debriefing gibt es Stellungnahmen von allen beteiligten Organisationen mit Kritik und Verbesserungsvorschlägen.

Drehbuch und Dramaturgie:  Mag. Dr. Brigitte Fellinger
Protokollführung:                     Martina Klama
Einsatzleiter FF Wiesen:           Thomas Treiblmayer
Notarzt:                                         MR Dr. Gottfried Koller
Rotes Kreuz                                 Ortstelle Gmunden
Einsatzleiter Pferdesanitäter:   Dr. Günther Dobretsberger
Gesamtleitung und Tierarzt:   VR Dr. Reinhard Kaun

 

Univ. Lektor Mag. Dr. Reinhard Kaun
www.pferd.co.at | www.pferdesicherheit.at

 

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