Wenn im Frühjahr der erste Heuschnitt ansteht, sind in vielen Pferdebetrieben die Vorräte bereits knapp – und man möchte möglichst schnell auf die frische Lieferung zurückgreifen. Doch dabei ist Vorsicht angesagt, denn frisches Heu kann – wie PferdebesitzerInnen wissen – seine Tücken haben.
Nicht jeder Pferdebesitzer ist in der glücklichen Lage, das Heu für seine Pferde selbst zu produzieren und daher über Erntezeitpunkt, Trocknungsgrad und Qualität genau Bescheid zu wissen. Die allermeisten sind auf Heulieferanten angewiesen – und letztlich darauf, dass dieser bei der Herstellung sorgfältig vorgegangen ist und besonders im gesamten Produktionsprozess auf Sicherheit und Qualität geachtet hat.
Ein zentrales Qualitätskriterium ist dabei der Feuchtigkeitsgehalt des Heus – sprich: Ist das Heu auch wirklich gut und ausreichend getrocknet? Wennn der Lieferant das Heu vor dem Pressen richtig getrocknet hat, dann kann es theoretisch auch direkt vom Feld verfüttert werden – die Betonung liegt hier jedoch auf „richtig getrocknet“. Dies bedeutet, so die Fütterungsexpertin Clair Thunes gegenüber dem Portal TheHorse.com, „dass das Heu die richtige Zeit zum Trocknen hatte. Heu, das in Ballen gepresst wird, wenn es noch zu feucht ist, trocknet nach dem Pressen weiter – und je nach Feuchtigkeitsgehalt, Pflanzenart und Ballendichte kann dies Tage bis Wochen dauern.“ Aus diesem Grund halten sich viele erfahrene Pferdebesitzer auch an die Prämisse, dass Heu nach dem Pressen vom Feld zwei bis vier Wochen „schwitzen“ muss, bevor es sicher verfüttert werden kann.
Warum dieses Zuwarten ein durchaus weiser Schritt ist, erklärt Clair Thunes so: „Wenn Heu im Ballen aushärtet, erzeugt es Wärme. Diese Wärme entsteht durch Gärung – und Sie möchten Ihrem Pferd sicher kein gärendes Heu geben! Dies sollte nicht passieren, wenn Heu mit 12 % oder weniger Feuchtigkeit gepresst wird; unter diesen Bedingungen könnte gepresstes Heu auch sofort verfüttert werden – und wäre dennoch sicher. Bei Heu mit höherem Feuchtigkeitsgehalt kann es einige Zeit dauern, bis Pferde es sicher fressen können.“ Heu sollte daher nicht gepresst werden, wenn der Feuchtigkeitsgehalt über 18 % liegt.
Wenn man sich nicht sicher ist, ob das Heu zum Verfüttern bereit ist, gibt es, so Thunes, eine einfache Prüf-Methode: „Öffnen Sie den Ballen und kontrollieren Sie, ob Sie Wärme spüren. Wenn Sie Wärme spüren, ist es nicht sicher zum Verfüttern! Darüber hinaus ist Heu, das im Ballen Wärme erzeugt, möglicherweise auch nach dem Aushärten nicht sicher zum Verfüttern, da zu viel Feuchtigkeit zu Schimmel und anderen Verunreinigungen führen kann. Solches Heu kann sich sogar selbst entzünden und im schlimmsten Fall Scheunenbrände verursachen. Seien Sie also äußerst vorsichtig, wenn sich das Innere Ihrer Ballen warm anfühlt.“
Im Idealfall ist der Heulieferant selbst ein erfahrener Züchter, der um die hohen Anforderungen an gutes Pferdeheu Bescheid weiß und mit der entsprechenden Sorgfalt vorgeht. Der Anbau und die Pressung des perfekten Heus für Pferde erfordert viel Arbeit und kann angesichts des Wetters schwierig sein. Regen kann den Schnitt verzögern, was zu Pflanzen führt, die reifer als ideal sind und einen geringeren Nährwert haben – was aber für bestimmte Pferde sogar erwünscht sein kann.
Heu kann nach dem Schneiden auch nass werden, wodurch die Zeit, die zum Erreichen des optimalen Feuchtigkeitsgehalts benötigt wird, verlängert wird. Auch die Art und Weise, wie die Pflanzen nach dem Schneiden während des Trocknens behandelt werden, wirkt sich auf die endgültige Qualität aus, so Clair Thunes weiter: „Oft wird das Heu während des Trocknens geharkt, um es umzudrehen und besser trocknen zu lassen. Wenn dies jedoch bei dem falschen Feuchtigkeitsgehalt oder zu aggressiv geschieht, kann Blattmaterial verloren gehen oder beschädigt werden.“
Das Resümee aus alledem: Die Herstellung von gutem, hochwertigem Pferdeheu ist sowohl eine Kunst als auch eine Wissenschaft. Ein erfahrener Züchter verfügt über das erforderliche Wissen und die nötigen Werkzeuge, um ein Qualitätsprodukt herzustellen, das Sie Ihrem Pferd sofort mit gutem Gewissen füttern können.