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Manuelles Absammeln von Pferdemist hocheffektiv bei Parasitenkontrolle
11.11.2022 / News

Das händische Abmisten der Weide ist zwar ein wenig mühsam, aber für die Parasitenkontrolle höchst effektiv, wie schwedische ForscherInnen herausfanden.
Das händische Abmisten der Weide ist zwar ein wenig mühsam, aber für die Parasitenkontrolle höchst effektiv, wie schwedische ForscherInnen herausfanden. / Symbolfoto: Archiv

Eine schwedische Studie unterstreicht die Wirksamkeit des Aufsammelns von Pferdemist von Weiden zur Bekämpfung von Strongyle-Parasiten. Es erwies sich in dem kalten nordischen Klima, in dem die Studie durchgeführt wurde, als weitaus besser und effektiver als das Eineggen der Pferdeäpfel.

 

Wie andere Weidetiere sind Pferde Darmparasiten ausgesetzt, die Magen-Darm-Erkrankungen verursachen können. Als in den 1960er Jahren Breitspektrum-Entwurmungsmittel eingeführt wurden, basierte die Parasitenbekämpfung zunächst auf Intervallbehandlungen mit wahllosem Einsatz der Medikamente. Obwohl eine solche häufige Verwendung von Entwurmungsmitteln die Wurmprävalenz verringerte, förderte sie auch die Entwicklung von Resistenzen.

Heute wird in Schweden zunehmend eine gezielte selektive Behandlung eingesetzt – eine Strategie, die seit zwei Jahrzehnten von Parasitologen befürwortet wird. Indem nur Pferde behandelt werden, die einen bestimmten Grenzwert überschreiten, oft 200 Strongyleleier pro Gramm Kot, werden deutlich weniger medikamentöse Behandlungen verabreicht, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Entwicklung und Ausbreitung von Resistenzen verlangsamt wird.

Aber das ist nur ein Teil der Lösung: Wie Eva Osterman-Lind und ihre Forscherkollegen in der Zeitschrift Animals schreiben, werden auch vorbeugende Kontrollmethoden im Zusammenhang mit dem Weidemanagement nachdrücklich empfohlen.

Die WissenschaftlerInnen stellten fest, dass Schweden jetzt etwa 350.000 Pferde hat und damit die Zahl der Milchkühe übersteigt. „Da sich etwa 80 % aller Reitanlagen in städtischen Regionen befinden, sind die Weideflächen oft begrenzt und überbelegt, wodurch die Belastung durch Parasiteneier immer mehr verstärkt.“

Die Forscher der schwedischen Universität für Agrarwissenschaften wollten daher im Rahmen einer Studie Weidemanagementmethoden evaluieren, die darauf abzielen, die Parasitenbelastung auf Weiden in einem nordischen Klima zu reduzieren.

Sie untersuchten zwei gängige Strategien: Erstens das regelmäßige, manuelle Absammeln des Pferdemists von der Weide und zweitens das Eggen bei trockenem Wetter. Außerdem untersuchten sie, wie weit Strongyle-Larven auf der Weide wandern sowie ihre Fähigkeit, den kalten nordischen Winter zu überstehen. In der Studie wurden Strongyle-ausscheidende Pferde verwendet, die auf Weideflächen unter den beiden Management-Strategien untergebracht waren. In der Überwinterungsstudie wurde eine grundsätzlich parasitenfreie Weide zu Versuchszwecken mit dem Mist eines Pferdes infiziert, das 550 Eier pro Gramm Kot ausscheidet, wobei das umgebende Gras wurde im Laufe der Zeit auf Larvenbefall kontrolliert wurde.

Die AutorInnen fanden heraus, dass die zweimal wöchentliche Kotentfernung den Larvenzahl auf der Koppel signifikant reduzierte, während das einmalige Eggen bei trockenem Wetter im Sommer dies trotz Schonung der Weide nicht tat. Strongyliden-Larven konnten sich 150 Zentimeter von den Kotflecken entfernen, aber die meisten Larven wurden innerhalb von 50 cm gefunden.

Sowohl kleine Strongyliden als auch große Strongyliden überlebten die Wintermonate, wobei die Larven bis zu 17 bis 18 Monate nach der Platzierung des Kots geerntet wurden. Obwohl das infektiöse Strongyle-Larvenstadium eine Wintersaison überleben konnte, war die Anzahl der Larven bis zum nächsten Sommer deutlich reduziert, was darauf hindeutet, dass eine einjährige Ruhezeit auf den Weiden in einem gemäßigten Klima zu einer erheblich verringerten Infektiosität führt. Um Weiden gänzlich frei von Parasiten zu bekommen, sollten sie jedoch zwei Jahre lang für Pferde gesperrt werden.

Die AutorInnen sagten, dass ihre Studie die Wirksamkeit der manuellen Kotentfernung von Weiden bei der Reduzierung der Strongyle-Infektiosität unterstreicht: „Diese Managementstrategie hat ein erhebliches Potenzial, da sie eine Reduzierung der Anthelminthika-Behandlungen bei Pferden ermöglicht und somit den Selektionsdruck für Anthelminthika-Resistenzen verringert, ohne die Gesundheit der Pferde zu gefährden.“

Zudem habe die Studie gezeigt, dass eine zuvor parasitenfreie Weide durch zweimaliges Entfernen von Kot für eine fünfwöchige Weideperiode und dann für weitere drei Monate fast vollständig frei von infektiösen Larven bleiben könne.

Leider haben Untersuchungen in der Vergangenheit gezeigt, dass die regelmäßige Kotentfernung in einigen Ländern offenkundig selten angewendet wird: In Schweden erreichte diese Methode der Kotentfernung im Jahr 2007 gerade einmal 6 %, und obwohl ein höherer Prozentsatz der Pferdebesitzer in einer neueren Studie angab, dem Pferdemist auf diese Weise zu entfernen (46,2 %), tat dies nur eine Minderheit mindestens zweimal wöchentlich (7.1 %).

In Bezug auf das Eggen meinten die AutorInnen, dass die wissenschaftliche Evidenz darauf hindeutet, dass ein einzelnes Eggen im Sommer in einem nördlichen Klima nicht ratsam ist, wenn das Ziel darin besteht, die Anzahl infektiöser Larven auf der Weide zu reduzieren: „Da über das gesamte Jahr hinweg nach dem Eggen keine Unterschiede in der Larvenzahl zu beobachten waren, scheint diese Methode auch dann nicht sinnvoll zu sein, wenn die Weide entgegen der bisherigen Vermutung über einen längeren Zeitraum ruhen soll.“

Die Wissenschaftler merkten aber auch, dass „unter anderen klimatischen Bedingungen, zum Beispiel in subtropischen Regionen, diese Praxis immer noch von Vorteil sein kann.“ Darüber hinaus könnte das Eggen in nördlichen Klimazonen dann von Vorteil sein, „wenn es nach der Weidesaison durchgeführt wird und die Larven den winterlichen Bedingungen ohne die schützende Wirkung eines intakten Kotballens ausgesetzt werden“, so die WissenschaftlerInnen. Dies müsse aber noch durch spezifische Studien bestätigt werden.

Sie betonten auch, dass es überraschend war festzustellen, dass Larven bis zu 150 cm von den Fäkalien entfernt gewandert seien. Kleine und große Strongyliden im dritten Larvenstadium waren in der Lage, die Wintermonate zu überstehen und konnten noch bis zu 18 Monate nach der Platzierung der Fäkalien nachgewiesen werden. Dies beweise, dass ruhende Weiden auch nach einem Jahr in einem kalt-gemäßigten Klima nicht frei von Strongyliden-Larven sind. Der Winter und das frühe Frühjahr beinhalteten zwar eine hohe Häufigkeit von Frost-Tau-Zyklen, aber diese führten nicht zu einer signifikanten Verringerung der Larvenzahlen. Die Larvenzahl war nach einem Jahr zwar deutlich reduziert, doch die Weide war nicht parasitenfrei. Das Resümee der ForscherInnen: „Eine Weideruhe von einem Jahr reduzierte den Parasitenbefall stark, aber für eine parasitenfreie Weide waren zwei Jahre Ruhe erforderlich.“

Die Studie „Evaluation of Strategies to Reduce Equine Strongyle Infective Larvae on Pasture and Study of Larval Migration and Overwintering in a Nordic Climate" von Eva Osterman-Lind, Ylva Hedberg Alm, Hillevi Hassler, Hanna Wilderoth, Helena Thorolfson und Eva Tydén ist am 10. Nov. 2022 in der Zeitschrift ,animals' erschienen und kann in englischer Originalfassung hier nachgelesen werden.

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