News 

Rubrik
Zur Übersichtzurück weiter

Rotz-Infektion in Niedersachsen bleibt rätselhaft
20.02.2015 / News

Bei einem Sportpferd aus Niedersachsen wurde die gefährliche Infektionskrankheit „Rotz" nachgewiesen. Doch wie sich das Pferd infiziert hat, ist völlig unklar. Weitere Pferde sind nicht betroffen.

 

Das Pferd war, wie das Niedersächische Landwirtschaftsministerium meldete, im Rahmen einer routinemäßigen Untersuchung Ende November 2014 aufgefallen – das Sportpferd sollte in die USA exportiert werden. Das Pferd hatte zwar keinerlei klini­sche Symptome aufgewiesen, doch ein Restverdacht blieb bestehen. Um den Befund abzuklären, war im Dezember 2014 eine diagnostische Tötung durchgeführt worden. Nachdem bakteriologische Untersuchungen der Organe negativ verlie­fen, wurden im angesehenen Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Jena gezielt Hautproben molekularbiologisch untersucht. In diesen Proben hat das FLI „Rotz"-spezifische DNA nachgewiesen, die In­fektion wurde somit Ende Jänner amtlich bestätigt – und sorgte sogleich bundesweit für Aufregung, da die Seuche Pferdeseuche in Deutschland seit 1956 nicht mehr aufgetreten ist. In Schleswig-Holstein wurden zwei Turniere abgesagt bzw. abgebrochen, da das Pferd zuvor in einem Betrieb in Schleswig-Holstein gestanden war.

Das infizierte Pferd aus dem Landkreis Osnabrück hatte bis November 2014 in mehreren Betrieben in Schleswig-Holsteins gelebt. Auch diese wurden vorsorglich vom Amtstierarzt gesperrt, bis alle Proben abschließend untersucht sind. In einem Bestand konnte die Sperre rasch wieder aufgehoben werden. Auch der Pferdestall im Landkreis Osnabrück, in dem das infizierte Tier sich aufgehalten hatte, wurde nach abgeschlossenen Untersuchungen wieder freigegeben – in diesem Bestand gilt die Seuche als erloschen.

Die letzte Probe eines Pferdes in Schleswig-Holstein ergab zunächst einen unklaren Befund – doch die ausstehende Abklärungsuntersuchung brachte auch hier ein negatives Ergebnis, wie das Landwirtschaftsministerium von Schleswig-Holstein am 20. Februar verlautbarte. Damit konnte auch dieser letzte noch gesperrte Betrieb wieder freigegeben werden.

Die  Infektionskrankheit „Rotz" wird durch das Bakterium Burkholderia mallei übertragen und ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Rotz tritt vornehmlich bei Einhufern (Pferde, Esel, Maultiere, Zebras) auf und wird durch Körpersekrete übertragen. Die Erkrankung kann in Form knotiger und geschwülstiger Entzündungen in der Haut (Hautrotz), der Nasenschleimhaut (Nasenrotz) und der Lunge (Lungenrotz) auftreten. Bei Pferden dominiert die chronische oder latente Verlaufsform, wodurch sich die Krankheit manchmal auch unerkannt verbreitet.

„Rotz" kann auch auf andere Säugetiere und – bei engem direkten Kontakt zu erkrankten Tieren – auch auf den Menschen übertragen werden, etwa über kleine Hautläsionen. In der Vergangenheit waren Ansteckungen bei Menschen selbst bei hohen Erkrankungshäufigkeiten in der Pferdepopulation aber sehr selten. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war „Rotz" weltweit verbreitet, wurde in Westeuropa und Nordamerika aber in den fünfziger Jahren weitgehend ausgerottet. In Deutschland trat der letzte Fall bei Pferden 1956 auf. Zuletzt war die Krankheit in Südamerika und Asien wieder vermehrt aufgetreten. Auf welchem Weg der gefährliche Erreger das Pferd in Osnabrück erreichen konnte, bleibt weiter völlig rätselhaft, das Pferd hatte Deutschland nie verlassen.

Kommentare

Bevor Sie selbst Beiträge posten können, müssen Sie sich anmelden...
Zur Übersichtzurück weiter

 
 
ProPferd.at - Österreichs unabhängiges Pferde-Portal − Privatsphäre-Einstellungen