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Auch im Urlaub: Nicht wegschauen, wenn Tiere leiden
29.06.2016 / News

Ein Arbeitspferd in der jordanischen Felsenstadt Petra.
Ein Arbeitspferd in der jordanischen Felsenstadt Petra. / Foto: PAF/VIER PFOTEN/Tibor Rauch

Die Tierschutzorganisation ,Vier Pfoten' appelliert an Urlauber, sich auch im Ausland gegenüber Tieren respektvoll zu verhalten – und nicht alles mitzumachen, was Touristen angeboten wird.

 

In einer Pressemitteilung hat die Organisation ,Vier Pfoten' darauf hingewiesen, daß in vielen Ländern dieser Welt die Tierschutz-Standards weit von jenen in Österreich oder Deutschland entfernt sind – und manche vermeintlich reizvolle Urlaubsattraktion häufig mit Qualen für die betroffenen Tiere verbunden ist. Deshalb sollte man auf touristische Angebote, die mit Tieren verbunden sind, stets einen kritischen Blick werfen – und im Zweifelsfall lieber darauf verzichten. ,Vier Pfoten' nennt einige konkrete Beispiele.

– Was vor allem in südlichen Ländern dem Urlauber sofort ins Auge springt, ist die Anzahl an streunenden Tieren. Man lässt sich als Tierliebhaber leicht dazu verleiten, die Tiere zu füttern. „Das Problem ist, dass sich die Streuner sehr rasch an diese Nahrungsquelle gewöhnen, die dann nach der Urlaubssaison sofort wieder versiegt“, sagt Indra Kley, Leiterin des Österreich-Büros von VIER PFOTEN. Aus Tierschutzsicht ist Füttern auch deshalb kritisch, weil sich die Tiere dadurch noch schneller vermehren. Viel sinnvoller ist es, einen lokalen Tierschutzverein direkt am Urlaubsort mit einer Spende zu unterstützen.

– Immer öfter werden Touristen Fotos mit Wildtieren angeboten, sehr beliebt sind natürlich Tierbabys. „Wenn die es Gelegenheit gibt, Selfies oder andere Aufnahmen mit z.B. Bärenbabys zu machen, dann müssen sofort alle Alarmglocken schrillen “, warnt Kley. Hier handelt es sich um reine Geschäftemacherei auf Kosten der Tiere, die meist unter inakzeptablen Bedingungen gehalten werden.

– Ebenfalls ein Klassiker unter den Touristen-Attraktionen, besonders in exotischen Ländern, sind Elefanten-, Pony-, Esel- und Kamelritte. Aber Vorsicht: Die meisten dieser Tiere werden nicht artgemäß gehalten. Oft sind sie auch den ganzen Tag über der Hitze ausgesetzt, ohne mit frischem Wasser versorgt zu werden.  In der berühmten jordanischen Felsenstadt Petra, einem UNESCO-Weltkulturerbe, startete VIER PFOTEN deshalb im März 2015 gemeinsam mit der Princess Alia Foundation (PAF) und der Tourismusbehörde von Petra (PDTRA) ein Hilfsprojekt für arbeitende Pferde. In und um Petra arbeiten insgesamt etwa 1.350 Pferde und Esel. Sie befördern jährlich abertausende Touristen auf ihrem Rücken oder in einer Pferdkutsche durch die bekannte Wüstenmetropole. Indra Kley: „Unser Projekt zeigt erste Früchte: Der Gesundheitszustand vieler Tiere hat sich in den letzten Monaten erheblich verbessert, neue Stallungen wurden gebaut und ein Wasserableitungssystem zum Schutz vor Sturzfluten wurde installiert. Erfahrene Tierärzte von VIER PFOTEN und PAF kommen seit März 2015 regelmäßig nach Petra, um verletzte oder kranke Tiere zu behandeln und lokale Tierärzte zu schulen. Außerdem hat die Tourismusbehörde eine neue Verordnung erlassen, in der sie den Umgang mit Pferden von nun an streng reglementiert.“

– Auch von Sport- und Wettkämpfen mit Tieren sollte man sich fernhalten, um diese nicht ungewollt auch noch zu fördern – auch das Wetten bei Tierkämpfen sollte man aus diesem Grund unterlassen.

– Zu guter Letzt empfiehlt Indra Kley, beim Kauf von Souvenirs vorsichtig zu sein: „In vielen Geschäften werden Gegenstände aus Elfenbein, Schildkrötenpanzer, Lederprodukte aus Häuten exotischer Tiere oder Korallen angeboten. Mit dem Kauf trägt man zur Ausrottung geschützter Arten bei.“ Die Einfuhr von Souvenirs, die von bedrohten Arten stammen, ist nach dem Washingtoner Artenschutz-Abkommen nicht erlaubt und wird mit Geldbußen und sogar Freiheitsstrafen geahndet.

Bei Tierleid nicht wegsehen
Auch eine andere Organisation hat sich den Schutz von Tieren in fremden Ländern auf die Fahnen geschrieben, nämlich die britische SPANA (Society for the Protection of Animals Abroad). SPANA ist eine international tätige Tierschutzorganisation, die 1923 gegründet wurde und die sich um die medizinische Versorgung von Tieren in den ärmsten Ländern der Welt bemüht. Die Organisation kümmert sich um Pferde, Esel, Maultiere und Kamele in zahlreichen Ländern Nordafrikas sowie Asiens und bietet auch für die Besitzer der Tiere spezielle Trainings- und Ausbildungsprogramme, um deren Wissen und Bewusstsein für artgerechte und verantwortungsvolle Tierhaltung zu fördern.

Die Organisation ermutigt insbesondere auch Touristen dazu, etwas gegen Missstände, die man während seines Urlaubs beobachet hat, zu tun. SPANA hat aus diesem Grund eine kleine Broschüre mit Richtlinien für die ethische und faire Behandlung von Tieren im Tourismus herausgegeben – mit wichtigen Kriterien, an denen auch Laien schlecht behandelte oder unzureichend gepflegte Tiere erkennen können (Fütterungszustand, äußere Wunden, Druckstellen in der Sattellage etc.). Die Broschüre, die man hier kostenlos downloaden kann, enthält außerdem die wichtigsten Kontaktstellen, denen man Tiermisshandlungen melden kann – die beste Anlaufstelle sind die Tourimusbüros in den jeweiligen Ländern, die derartige Vorwürfe sehr ernst nehmen und auch weitergeben.

Die tierärztliche Beraterin von SPANA: „Wir möchten, dass die Touristen wissen, dass sie eine große wirtschaftliche Macht haben und mit ihrer Kaufkraft eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Tieren im Tourismus bewirken können. Sie sollten z. B. nur Anbieter von Touren aussuchen, die ihre Tiere gut und respektvoll behandeln – das spricht sich schnell herum und macht bei anderen Tourveranstaltern Schule."

Das Ziel von SPANA ist es ausdrücklich nicht, Touristen von Reisen in diese Länder abzuhalten, denn für viele Einwohner ist der Tourimus ihre einzige Einnahmequelle – und damit auch die Lebensbasis ihrer Tiere. Doch Urlauber sollen wissen, dass sie mit der gezielten und verantwortungsbewussten Wahl von Reiseveranstaltern oder Touren-Anbietern für bessere Tierschutz-Standards sorgen können – und dass sie alle Misshandlungen, die sie während ihres Urlaubs beobachten, beim Tourismusbüro des jeweiligen Landes melden können und auch sollen. Nur so kann es bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Tiere geben.

Weitere Infos zu diesem Thema (inkl. der Möglichkeit für Spenden) findet man auf den Webseiten von ,Vier Pfoten' und von SPANA.

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