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Neil Davies Blog: Deinem Pferd zuliebe – mach es kurz und angenehm
04.05.2015 / News

Neil Davies propagiert ein Pferdetraining ohne Stress, Druck und Gewalt.
Neil Davies propagiert ein Pferdetraining ohne Stress, Druck und Gewalt. / Foto: Neil Davies
Wenn ein Pferd gestresst, unruhig und verwirrt ist, wird es niemals begreifen, was der Reiter von ihm will...
Wenn ein Pferd gestresst, unruhig und verwirrt ist, wird es niemals begreifen, was der Reiter von ihm will... / Foto: Neil Davies

Viele Trainer glauben noch immer, dass ein Pferd etwas daraus lernt, wenn man es bis zur Erschöpfung fordert und ermüdet. Dabei ist gutes Pferdetraining weder für das Pferd, noch für den Reiter anstrengend...

 

Eines der Lieblings-Sprichwörter meines Großvaters war: „Mit Arbeit kriegst du sie alle klein, egal ob Mensch oder Tier.” Er war fest überzeugt davon, dass man bei Schwierigkeiten mit einem Pferd oder einem Menschen, mit ihnen bis zur völligen Erschöpfung arbeiten soll. So dachte man damals.

Als ich ein Kind war, war Billy Wilkie einfach nur ein alter Mann, der dieselbe Idee hatte wie mein Großvater. Billy war ein Viehhändler, aber er hat sich mit den Neuerungen der Zeit bewegt und sich einen Viehtransporter gekauft. Das einzige Problem war, dass Bill niemals gelernt hatte zu fahren, also musste er immer jemanden bezahlen, um seinen alten Bedford zu den Marktplätzen bei Camden und Picton zu fahren.

Ich erinnere mich, dass, vor langer Zeit, ich war vielleicht 14 Jahre alt, Bill ein Pony abgeliefert hat, das ich anreiten sollte. Etwa eine Woche später lieferte uns Bill ein paar Kühe und sah, dass ich das Pony fütterte. „Du sollst das Pony nicht füttern, Davies“, sagte er. „Latten und Querbalken sind das einzige, was du ihm geben sollst, wenn du ihn anreitest. Du musst ihn müde machen“.

Nach mehr als 40 Jahren ist diese Denkweise leider immer noch in der Pferdewelt vorhanden. Viele Trainer glauben, dass ein Pferd etwas daraus lernt, wenn man es bis zur Erschöpfung fordert. Sie glauben, dass müde, schwitzende, verstörte Pferd „Respekt“ lernen und „unterwürfig“ sein werden. Viele Trainer glauben, dass ein Pferd für immer „gehorsam“ sein wird, wenn man es in die Knie zwingt.

Wie sehr sich diese Trainer täuschen. Sie denken, dass ein Pferd zu erschöpfen oder es in die Knie zu zwingen automatisch heißt, dass es weiß, wie man einen Galoppwechsel macht, wie man gesattelt oder geritten wird oder was auch immer sie versuchen zu tun. Das ist natürlich Blödsinn. All das muss jedem Pferd beigebracht werden, Schritt für Schritt. Kein Pferd weiß auf „magische“ Weise von Geburt an, was wir von ihm wollen.
Du musst dir immer vor Augen halten: Wenn ein Pferd versteht, was verlangt wird, dann wird es nicht laufen, bis es schwitzt und keucht und unruhig ist. Er wird nicht kämpfen, ausschlagen oder bocken. Kein Pferd wird sich selbst solch einem Drama und Trauma aussetzen, wenn es versteht, was verlangt wird.

Manche Trainer glauben, dass es am besten ist, abzusteigen und das Pferd vom Boden aus zu jagen, wenn es sich widersetzt, aufbäumt oder unter dem Sattel ausschlägt. Ich glaube, dass sie sich sicherer fühlen, wenn sie ein Pferd vom Boden aus jagen, aber ich habe schlechte Nachrichten für sie: Es wird nicht helfen. Klar, jeder kann ein Pferd müde machen, wenn man es vom Boden aus herumjagt. Wenn das Pferd müde ist, wird es vielleicht sogar so aussehen, als hätte es sich gebessert, wenn es wieder geritten wird. Aber das Pferd wird zu seinem früheren Verhalten zurückkehren, sobald es wieder fit ist. Ein Pferd vom Boden aus zu jagen wird ihm nicht beibringen, etwas zu tun, so wie du es willst, wenn du im Sattel sitzt. All das funktioniert nicht.

Pferdetraining sollte weder für das Pferd noch für den Reiter anstrengend sein. Trainingseinheiten sollten immer weniger als zwanzig Minuten dauern. Wenn du einfach weiter und weiter machst, wirst du unweigerlich den Punkt erreichen, an dem dein Pferd verwirrt und gestresst ist.

Wenn du eine Lektion nicht ausreichend übst, kannst du immer noch am nächsten Tag darauf zurückkommen und weitermachen. Wenn du eine Lektion zu intensiv machst, kannst du deinem Pferd allerdings nicht befehlen, den Teil zu vergessen, an dem es unruhig, verwirrt und verängstigt wurde.

Wenn du das Gefühl hast, dass du dein Pferd herumjagen musst, bis es schwitzt und keucht und unruhig ist, dann machst du etwas falsch. Und wenn du selbst müde bist, schwitzt und keuchst und aufgebracht bist, machst du schlicht und einfach etwas falsch. Dann ist es – für das Wohl deines Pferdes – an der Zeit, zurück zum Zeichenbrett zu gehen und dein System gründlich zu überdenken.

Hier geht's zur Website von Neil Davies: www.fearfreehorsetraining.com


ZUR PERSON

Neil Davies ist seit 1977 professioneller Pferde-Trainer. In den ersten 15 Jahren seiner Trainerlaufbahn hat er Tausende Pferde angeritten und auch zahllose sogenannte ,Problempferde’ trainiert. Egal ob ein 100-Dollar-Pony aus dem Hinterhof oder millionenteure Vollblüter – Neil Davies kennt sie alle. Neil war einer der ersten Pferdetrainer, der seine Arbeit mit Hilfe von Videos dokumentierte. Diese Videos wurden weltweit verkauft, daneben führte er Clinics und Präsentationen in Australien, Neuseeland und den USA durch. Neils einzigartiges Wissen entstand in der Arbeit mit sovielen Pferden, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Obwohl nur wenige die Möglichkeit bzw. die Neigung haben, das zu tun was er tut, kann jeder Pferdefreund von seinem Wissen und seiner Erfahrung profitieren.

 

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