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Pferdepässe manipuliert – neuer Pferdefleisch-Skandal aufgedeckt
26.04.2015 / News

Durch manipulierte bzw. gefälschte Pferdepässe wurde die Schlachtfähigkeit von Pferden vorgetäuscht.
Durch manipulierte bzw. gefälschte Pferdepässe wurde die Schlachtfähigkeit von Pferden vorgetäuscht. / Symbolfoto: Petr Blaha

Pferdefleisch, das nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt war, ist durch illegale Machenschaften in die Nahrungskette gelangt. 26 Personen wurden festgenommen, mehrere Länder sind betroffen.

 

Wie die Ermittler der Koordinationsstelle für Justizzusammenarbeit in Europa (Eurojust) betonten, besteht keinerlei Zusammenhang zu jenem Skandal, der Anfang 2013 durch die Medien ging und bei dem qualitativ einwandfreies Pferdefleisch falsch deklariert und in Lebensmitteln verarbeitet wurde. Diesmal ist es schlimmer: Nach bisherigen Erkenntnissen wurden von einem kriminellen Netzwerk in mehreren europäischen Ländern Pferdepässe manipuliert bzw. gefälscht, um aus Pferden, die nicht für den menschlichen Verzehr gedacht waren, auf den Tellern der Konsumenten gelandet sein. Eurojust geht davon aus, dass zwischen 2010 und 2013 auf diese Weise insgesamt 4.700 Pferde illegal geschlachtet und in die Nahrungsmittelkette gelangt sind. Allein in Frankreich stellten die Ermittler 400 manipulierte bzw. gefälschte Pferdepässe sicher.

Im Zentrum dieses grenzüberschreitenden organisierten Verbrechens dürfte ein Belgier stehen, gegen den die Behörden bereits seit November 2012 ermitteln. Im Zuge der Erhebungen stellte sich bald heraus, dass Verbindungen in andere europäische Länder bestehen, so etwa nach Frankreich, Irland, Luxemburg, Deutschland, die Niederlande und Großbritannien. Am Freitag, dem 24. April, schlugen die Behörden schließlich im Rahmen einer konzertierten Aktion in mehreren Ländern zu und verhafteten insgesamt 26 Personen, den Großteil davon in Frankreich. Es wurden größere Mengen Bargeld sowie insgesamt 800 Pferdepässe, dazu Medikamente, Dutzende Microchips und Computerausrüstung beschlagnahmt. Auch 200 Pferde wurden von den Veterinärbehörden sichergestellt und werden nun tierärztlich untersucht. Wie die Ermittler betonen, gebe es derzeit keine Hinweise darauf, dass Verbraucher einen gesundheitlichen Schaden erlitten hätten.

Schon im Jahr 2013 hatte es einen ähnlichen Fall gegeben – damals wurden in Großbritannien acht Pferde von britischen Schlachthöfen positiv auf das Schmerzmittel Phenylbutazon getestet, die Tiere hätten niemals geschlachtet werden dürfen. Schon damals wiesen Experten und Medien darauf hin, dass das System der Pferdepässe lückenhaft und manipulationsanfällig ist – mit dem neuen Pferdefleisch-Skandal werden diese Diskussionen zweifellos wieder neue Nahrung erhalten. Im Pferdepass wird festgelegt, ob ein Pferd „zur Schlachtung für den menschlichen Verzehr" bestimmt ist – oder nicht. Es müssen sämtliche Behandlungen, Impfungen und Medikationen im Pferdepass durch den Tierarzt in den Pferdepass eingetragen werden. Sind Tiere zur Schlachtung bestimmt, müssen je nach Mittel unterschiedlich lange Wartefristen eingehalten werden, bis das Tier geschlachtet werden darf; bestimmte Mittel dürfen gar nicht verabreicht werden bzw. würden das Pferd kategorisch und dauerhaft von der Schlachtung ausschließen.

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