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Heilsame Pferde-Begegnung: Hippotherapie hilft Brustkrebs-Patientinnen
22.02.2023 / News

Der Umgang und die Begegnung mit dem Pferd im Rahmen der Hippotherapie verbesserte die allgemeine Lebensqualität der Patientinnen deutlich.
Der Umgang und die Begegnung mit dem Pferd im Rahmen der Hippotherapie verbesserte die allgemeine Lebensqualität der Patientinnen deutlich. / Symbolfoto: Archiv/Pixabay

Frauen, die sich von einer Brustkrebs-Behandlung erholten, profitierten erheblich von einer pferdegestützten Therapie, wie französische ForscherInnen herausfanden. Die Hippotherapie habe „einen starken Einfluss auf die Effizienz von Krebsbehandlungen und unterstützt die Wiederherstellung des gewohnten Lebens der Patientinnen und ihres Umfelds.“


Hélène Viruega und ihre französischen ForscherkollegInnen stellten einleitend fest, dass Brustkrebs die am häufigsten diagnostizierte Krebserkrankung bei Frauen ist und mittlerweile eine hohe Überlebensrate aufweist. Trotz großer Fortschritte in der Diagnose und Behandlung erfordert die vollständige Wiederherstellung des gewohnten Lebens der Patientinnen umfassende sektorübergreifende Ansätze zwischen verschiedenen Disziplinen und eine eingehende Berücksichtigung der individuellen psychischen Probleme und Herausforderungen der Patientinnen, so die AutorInnen.

Die medizinische Interpretation und das Management des allgemeinen Gesundheitszustands einer Patientin nach einer Krebserkrankung samt Operation, Chemotherapie oder Strahlentherapie stellen das moderne Gesundheitssystem oft vor erhebliche Herausforderungen. Die Patientinnen erleben die Erkrankung und die nachfolgende Therapie als Ereignis von solcher Gewalt, das alle menschlichen Sphären massiv betrifft. Die Person, die sich zur Heilung vollständig auf medizinische Eingriffe und Behandlungen verlassen hat, hat dabei ihren Körper gleichsam verleugnet und müsse danach einen Weg finden, ihr Selbstgefühl in seiner Ganzheit wiederzuerlangen, so die ForscherInnen: „Nach diesem persönlichen Tsunami ist es unerlässlich, einen vitalen Impuls zu setzen und eine neue Richtung zu weisen, die zu den eigenen Bedürfnissen und Wünschen passt, damit man mit seinem Leben weitermachen kann.“

Hippotherapie, so ihre These, habe das Potenzial, diese Herausforderung anzugehen, indem sie einen eigenverantwortlichen, effizienten, unaufdringlichen, maßgeschneiderten Rahmen für die physischen, mentalen, emotionalen und spirituellen Sphären der Patientinnen anbietet. Diese spezielle Form der pferdegestützten Therapie diene dabei als Brücke zwischen dem Genesungsprozess und der vollständigen Heilung. Die Hippotherapie stellt einen aufstrebenden spezialisierten Rehabilitationsansatz dar, der von geprüften Gesundheitsexperten und Pferdespezialisten auf speziell ausgebildeten Pferden durchgeführt wird. Die Forscher entwickelten ein Ganzheit-durch-Hippotherapie-Programm, das darauf abzielt, Patienten dabei zu helfen, über die bloße Genesung hinauszugehen.

Das Forscherteam führte eine randomisierte kontrollierte klinische Studie durch, in der eine Gruppe von Frauen eine Hippotherapie als Teil ihres Genesungsplans absolvierte, während die anderen eine herkömmliche unterstützende Behandlung ohne pferdegestützte Therapie erhielten. 82 Patienten wurden für die Forschung rekrutiert, von denen 66 die Studie abschlossen. Die Teilnehmerinnen wurden für sechsmonatige Programme in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt die Hippotherapie-Behandlung in Kombination mit einem unterstützenden Pflegeprogramm (außer während der Hippotherapie-Tage), und die Kontrollgruppe erhielt nur das unterstützende Pflegeprogramm. Die Hippotherapie-Komponente in der behandelten Gruppe umfasste eine erste Woche mit täglichen Hippotherapie-Sitzungen, gefolgt von drei kurzen zweitägigen Hippotherapie-Sitzungen im Abstand von jeweils zwei Monaten.

Die Hippotherapie-Übungen fanden sowohl auf als auch abseits der Pferde statt. Das Programm beinhaltete auch Elemente, um das Körperbild zu stärken und das Selbstwertgefühl zu fördern. Anhand mehrerer selbstberichteter Fragebögen untersuchte das Studienteam Faktoren wie Lebensqualität, kognitive Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, Angst und Depression sowie das Körperbild der Patienten an verschiedenen Punkten des Genesungspfads.

Die Ergebnisse waren auch für die ForscherInnen bemerkenswert: „Wir haben statistische Unterschiede in der zeitlichen Entwicklung der gemessenen Parameter zwischen den beiden Gruppen beobachtet“, berichten die Forscher. „Die Hippotherapie-Gruppe zeigte eine viel schnellere, günstige und kontinuierliche Verbesserung bis zum Ende des Programms für jede bewertete Funktion. Die auffälligsten Verbesserungen wurden bei der allgemeinen Lebensqualität und Müdigkeit beobachtet, während die brustkrebsspezifische Lebensqualität, die kognitive Leistungsfähigkeit, Angstzustände und Depressionen sowie das Körperbild bei der abschließenden Bewertung nach der Behandlung einen weniger ausgeprägten, aber immer noch statistisch signifikanten Unterschied zeigten.“

In den körperlichen, geistigen und emotionalen Dimensionen der Frauen in der behandelten Gruppe stellte sich schon bald nach Beginn der Hippotherapie – d. h. nach der ersten Behandlungswoche – eine signifikante Verbesserung im Vergleich zu der Gruppe ein, die einem konventionellen unterstützenden Behandlungspfad folgte: „Diese Verbesserung erwies sich als beständig und blieb bis zum Ende des Protokolls deutlich größer als die der Kontrollgruppe“, so die AutorInnen.

Der Einsatz integrativer unterstützender Pflegetherapien während und nach der Diagnose und Behandlung von Brustkrebs im Rahmen der integrativen Onkologie wurde bereits in vorangegangenen Untersuchung sehr empfohlen, so das Forscherteam. „Allerdings betrachten diese Empfehlungen jede unterstützende Therapie als eine relevante, aber nicht die einzige Option zur Bewältigung eines bestimmten Problems.“ Die Wahl werde dem Patienten vor allem in einem Moment gegeben, in dem er nicht über die persönlichen Werkzeuge verfügt, um in eine vertiefende Selbstarbeit zu investieren, so die AutorInnen. Die Hippotherapie ist in diesem kritischen Moment gleichsam „das Rückgrat und der erste obligatorische Schritt einer unterstützenden Behandlungsstrategie nach der Diagnose und Erstbehandlung von Brustkrebs. Sie bereitet die Patientin auf ihre Selbstermächtigung und die optimale Wiederherstellung des gewohnten Lebens vor, wobei sie sich auf die verschiedenen verfügbaren Optionen stützt, die ihnen dabei zur Verfügung stehen.“

Die Ergebnisse ihrer Studie seien, wie das Forscherteam betonte, eine klare Bestätigung für den therapeutischen Nutzen der Hippotherapie als wichtige Förderungs- und Unterstützungsmaßnahme im Rahmen des gesamten Genesungsprozesses: „Darüber hinaus hat die Hippotherapie einen starken Einfluss auf die Effizienz von Krebsbehandlungen und unterstützt die Wiederherstellung des gewohnten Lebens der Patientinnen und ihres Umfelds.“  Die Hippotherapie habe sich als wichtiger Baustein herausgestellt, um die Lebensqualität von Brustkrebs-Patiennen für einen erfolgreichen Übergang zurück in ein normales Leben zu maximieren, so das Resümee der AutorInnen.

Die Studie „Breast Cancer: How Hippotherapy Bridges the Gap between Healing and Recovery – A Randomized Controlled Clinical Trial" von Hélène Viruega, Corinne Galy, Célia Loriette, Stéphane Jacquot, Jean Louis Houpeau und Manuel Gaviria ist am 19. Feb. 2023 in der Zeitschrift ,cancers' erschienen und kann in englischer Originalfassung hier nachgelesen werden.

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