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Urteil: Auch hohe Behandlungskosten für ein verletztes Pferd sind zu ersetzen
25.02.2023 / News

Ein Pferd ist kein PKW – sondern ein fühlendes Mitwesen, zu dem eine besonders enge emotionale Bindung bestehen kann, wie das OLG Celle klarstellte.
Ein Pferd ist kein PKW – sondern ein fühlendes Mitwesen, zu dem eine besonders enge emotionale Bindung bestehen kann, wie das OLG Celle klarstellte. / Symbolfoto: Archiv/Pixabay

Das Oberlandesgericht Celle stellte klar: Ein Tier mag wirtschaftlich wenig wert sein – doch wird es verletzt, kann es sein, dass der Schädiger Behandlungskosten zu ersetzen hat, die den Wert des Tieres um ein Vielfaches übersteigen.

 

Wer schon einmal einen Autounfall hatte, der weiß: Als Obergrenze für die Reparaturkosten, die von der Versicherung ersetzt werden, gilt in der Regel der Wiederbeschaffungswert bzw. ein leicht erhöhter Prozentsatz (in Deutschland bis zu 130 %, in Österreich bis zu 110 %). Bei Tieren ist das aber grundlegend anders, wie das OLG Celle in einem aktuellen Urteil festgestellt hat: Demnach ist ein Pferd eben kein PKW, sondern ein fühlendes Mitgeschöpf, zu dem eine besonders enge Bindung bestehen und das daher auch für den Halter einen besonderen emotionalen Wert haben kann, der bei Schadenersatz-Forderungen berücksichtigt werden muss

Konkret ging es um einen Fall aus dem Sommer 2019: Der damals 24 Jahre alte Wallach des Klägers hatte zu diesem Zeitpunkt einen wirtschaftlichen Wert von etwa 300,– Euro – ein Sachverständiger beschrieb ihn als „Weidekameraden“, der als „Gesellschafter“ für andere Pferde diene. Dieser Wallach floh damals vor einem Hund, der auf die Pferdekoppel gelaufen war und das Pferd anschließend bis in den nächsten Ort verfolgte. Dabei stürzte das Pferd mehrfach und verletzte sich schwer. Der Kläger ließ es daraufhin für mehr als 14.000,– Euro in einer Tierklinik operieren.

Bereits das Landgericht Verden hatte die Halterin des Hundes verurteilt, diese Behandlungskosten zu tragen. Die hiergegen gerichtete Berufung der Beklagten hat der 20. Zivilsenat des Oberlandesgerichts jetzt zurückgewiesen.

Er entschied zunächst, dass die Hundehalterin den gesamten Schaden ersetzen muss, obwohl der Schaden auch auf den eigenen Fluchtinstinkt des Pferdes zurückzuführen war. Das Pferd hatte nicht etwa bloß aufgrund eines kurzen Erschreckens gescheut und war dann weggelaufen. Vielmehr wurde es von dem Hund über die Koppel, über den Weidezaun und weiter auf der Straße bis in die nächste Ortschaft „auf das Äußerste“ getrieben. Diese von dem Hund ausgehende Gefahr überwog den eigenen Verursachungsbeitrag durch das Pferd deutlich.

Weiter entschied der Senat, dass die Behandlungskosten vollständig zu ersetzen sind, obwohl sie den wirtschaftlichen Wert des Tieres um das 49-fache überstiegen. Aufgrund der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf und schmerzempfindliches Lebewesen verbietet sich eine streng wirtschaftliche Betrachtungsweise. Vielmehr sind sämtliche Umstände abzuwägen, unter anderem die Erfolgsaussichten der Behandlung, das Alter des Tieres und die Beziehung des Halters zu ihm. Hier war der Wallach das erste Pferd, das der Kläger erworben hatte und zu dem er von Anfang an eine besonders enge Bindung hat.

Der Kläger hat das Pferd kurz nach dessen Geburt gekauft und auf ihm das Reiten erlernt. Auch nach seiner aktiven Reiterzeit hat er das Pferd weiter behalten und als Beistellpferd genutzt. Das Pferd war vor dem Unfall in einem sehr guten Zustand.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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