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Pferdegeschichte(n) einst & jetzt: Der letzte Ritt des Jockeys Matteo
24.02.2024 / News

Pferde sind in zahllosen Romanen, Erzählungen und Gedichten in die Weltliteratur eingegangen, doch ausgerechnet eine der schönsten und ergreifendsten Darstellungen ist nur wenigen bekannt, obwohl sie aus der Feder eines berühmten österreichischen Schriftstellers stammt.

 

„Natürlich kannten wir Friedrich Torberg“ erwiderte die junge Dame, nachdem sie nach kurzer, herzlicher Begrüßung vor ihrem Begleiter eingetreten war „… wir kennen die Tante Jolesch-Anekdoten, den Schüler Gerber – und wussten, dass er der Übersetzer der Werke von Ephraim Kishon war. Das Büchlein „Der letzte Ritt des Jockeys Matteo“ war uns beiden …“ der junge Herr nickte zustimmend „…unbekannt. Und wir kommen heute mit einer besonderen Bitte: Würden Sie uns die letzten Passagen aus dieser Novelle vorlesen?“

Der alte Herr blickte fragend, erstaunt auf seine Gäste. „Wir waren kürzlich zu einer kleinen Familienfeier eingeladen und das Gespräch kam auf unsere Besuche hier in Ihrem Hause – eine entfernte Verwandte, die wir lange nicht mehr gesehen hatten, erzählte uns, dass Sie jahrelang im örtlichen Altersheim als Vorleser tätig waren.“

Der alte Herr schmunzele: „Ja, das stimmt, während meiner aktiven kurativen Zeit stand ich als Freiwilliger im Dienste des Roten Kreuzes, über viele Jahre und viele Dutzend Einsätze war ich als Mitglied des Kriseninterventionsteams (KIT) tätig – nach der Übersiedlung hierher an den Alterswohnsitz wollte ich wieder einer sinnvollen ehrenamtlichen Beschäftigung nachgehen, so wurde ich Vorleser, jeden ersten Montag im Monat – viele Zuhörer – Heimbewohner – kamen, viele gingen - für immer. Ich las schöne, gute und aufbauende Literatur, Novellen, Komödien, Anekdoten – und ich merkte, die alten Herrschaften wollten gefordert werden – so las ich auch aus Theaterstücken mit verteilten Rollen, die ich alle selbst verkörperte – auch aus der Novelle „Der letzte Ritt des Jockeys Matteo" habe ich vorgelesen – die Epidemie hat diese Tätigkeit dann jäh beendet!“
 
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Guiseppe Matteo, der Fliegende Italiener war Jockey im wirtschaftlich maroden Rennstall des Grafen Ottenfeld in der Freudenau – als sich sein berufliches Ende abzuzeichnen beginnt, fasst er noch einmal einen Entschluss – er bittet den Grafen, mit der Stute Belladonna das Derby reiten zu dürfen, obwohl schon ein anderer Jockey des Rennstalles diese Zusage hatte. Graf Ottenfeld ist voll der Zweifel, doch ist ihm auch bewusst, dass nur ein Wunder seinen Stall vor dem Untergang zu retten vermag – also gibt er ihm Belladonna für das Derby. Guiseppe Matteo, den der Graf Ottenfeld in gewogenen Momenten „Pepi“ nennt, beginnt mit langen Fußmärschen quer durch Wien ein Aufbautraining seines alten, ausgemergelten Körpers, nimmt sechs Kilogramm ab und beginnt die Arbeit mit Belladonna unter dem Sattel. Der Tag des Derbys bricht an.

 
„Und hier übernehme ich nun“ der alte Herr nahm das Büchlein und las, mit fester, redegewohnter Stimme:

„Und Matteo auf Belladonna liegt immer noch um eine Pferdelänge voran und peitscht und peitscht links und rechts, links und rechts, und immer dichter, immer schneller auf ihre Flanken ein, oh Gott und jetzt und jetzt, längst ist Graf Ottenfeld nicht mehr der einzige, der sein Gesicht aschfahl in Händen birgt, es sind viele da, die ihre Augen bedeckt haben, weil sie die Kraft verließ, dies auch noch anzusehen, und spitzes Weiberkreischen neben dumpfem Stöhnen und neben Stummheit wild verzerrt, wie lang wie lange noch, jetzt peitscht auch Kovàcz auf  Odysseus los, links rechts links rechts immer dichter immer schneller, vielleicht ist alles nur ein Traum, vielleicht haben sie mitten im Reiten die Dressen gewechselt oder vorher schon und so ist es gekommen, dass blau -orange der eine vor dem andern liegt rot-weiß, ein Traum, ein rechenschaftsloser, ein tobender Traum, zu Ende der Traum und Glockenklang schrill, und Wunder geschehen doch nicht, und es war doch alles so als wäre Matteo auf Belladonna als erster durchs Ziel gegangen, Matteo, der tausend Meter vor dem Ziel zu peitschen begonnen hat, und Wunder geschehen doch nicht.
[….]
Nun: so war es auch kein Wunder was da geschehen ist. Oder wenn man will: ein Wunder zwar, doch gänzlich anderer Art, als sie auf Rennplätzen sich allenfalls ereignen. Ein >Wunder< nur deshalb zu nennen, weil wir fassungslos und eben >wie vor einem Wunder< dastehen vor einem, welcher bereit ist, sich bis in die letzte Konsequenz gerecht zu werden, und wäre es bei einem so geringfügigen Anlass wie einem Derby, und wäre er ein so geringfügiger Mensch wie ein Jockey. Hätte Guiseppe Matteo tausend Meter vor dem Ziel sein Pferd zu peitschen begonnen, so wäre das Pferd zusammengebrochen und er hätte nicht gesiegt. Hätte Guiseppe Matteo das Peitschen nur markiert, so wäre er aus dem Sattel geflogen oder die Balance hätte ihn Terrain gekostet, und er hätte nicht gesiegt. Und den Jockey Kovàcz kann man nicht bluffen, und Wunder geschehen nicht.

Guiseppe Matteo hat nicht markiert. Guiseppe Matteo hat tausend Meter vor dem Ziel zu peitschen begonnen: sich selbst. Und hat bis zweihundert Meter vor dem Ziel, hat achthundert Meter hindurch sich selbst gepeitscht, sich selbst, seine Schenkel, seine Waden links rechts links rechts und immer dichter und immer schneller, erst zweihundert Meter vor dem Ziel hat er dem Pferd die Peitsche gegeben, und der Jockey Kovàcz, den man nicht bluffen kann und der dichtauf geblieben war, weil er im Finish doch umso sicherer an ihm vorbeikommen musste, kam auch im Finish nicht an ihm vorbei. Sieger Matteo auf Belladonna, Stall Ottenfeld. 

Ludwig Koch: Die Reitkunst im Bilde – Text und Illustrationen, OLMS Presse 1982
Variieren der Rückenhöhe des Pferdes in der äußersten Streckung des Renngalopps gegenüber dem stehenden Pferde (links)
Variieren der Rückenhöhe (Silhouette) gegenüber der falschen Darstellung des Renngalopps und dem stehenden Pferde (rechts)

 
Matteo liegt noch immer an der gleichen Stelle, wo er zusammengebrochen ist, ein paar Schritte von der Waage entfernt. Dort hat er sich noch hingeschleppt, ganz allein, wie er auch ganz alleine absaß und ganz alleine den Sattel abschnallte und dann also diese letzten Meter zur Waage hingetorkelt ist, schon durch das Raunen und Erblassen rings, aber da wussten sie noch nicht genau, was los war. Erst auf der Waage oben merkten sie es jäh und wollten innerhalten fassungslos, doch wies mit letzter bleicher Kraft ein herrisches Aufwärtsnicken Matteos den Waagenmeister an, der Vorschrift Genüge zu tun. Dann stand er auf, stand da eine gespenstische Sekunde lang, trat ab, stand wieder eine Sekunde oder zwei, der Sattel entglitt seinen Händen, und endlich stürzte er hin, unwillig schien ihm noch zum Schluss, als würde er im andrängenden Wirrwarr kein Plätzchen finden auf das er sich niederlassen könnte, aber da wichen sie schon zurück, lautlos verschreckt, und keiner fing ihn auf, es schadete nicht mehr viel, sein ausgemergelter Zwergenkörper kam seitlich leicht und weich auf den Rasen zu liegen, dann erst, ehe er gänzlich regungslos wurde, krümmte er sich rücklings hin. So lag er da, unter seinen Schenkeln hatten sich zwei kleine Blutlachen gebildet, in die es leise und beharrlich weitertropfte aus den völlig durchröteten Hosen. Man fürchtete sich, ihn überhaupt anzurühren, es schien, als müssten bei der geringsten Bewegung Bäche Bluts losbrechen.  Aber, dem war nicht so, und der Arzt, der sich endlich doch bisher durchzuzwängen vermochte, sagte das auch. Da hoben sie ihn behutsam auf die Tragbahre, deckten ihn zu, trugen ihn durch ehrfürchtig entsetzt sich teilendes Spalier zum Sanitätsauto. Dort erst gelangte der Graf Ottenfeld an ihn heran, er wollte ihn anrühren, aber jetzt verbot das der Arzt, und Graf Ottenfeld ließ sich auch wirklich zurückweisen wie ein kleines Kind voll Angst, er sagte nur: „Pepi“, sagte er „Pepi“.  Erst als das Auto abgefahren war, begann er zu toben, zerknüllte seinen Zylinder, trat die gelbe Zigarrenspitze in Stücke, schrie: er wäre schuld, er hätte ihn nicht reiten lassen dürfen, aber der hätte sich dann vielleicht umgebracht, und was er denn jetzt tun sollte, was denn? Dann verstummte er plötzlich, seine Freunde begannen eifrig auf ihn einzusprechen, dass es schon nicht so schlimm sein würde und dass er doch das Derby gewonnen hätte, das Derby! – aber da bekam Graf Ottenfeld einen Weinkrampf und musste rasch fortgebracht werden.

Der Jockey Guiseppe Matteo verstarb am nächsten Tag. Sein armer, geschwächter Leib war dem großen Blutverlust nicht gewachsen, auch funktionierte in den entscheidenden Augenblicken das Herz nicht so wie es sollte. Er starb, ohne das Bewusstsein völlig wiedererlangt zu haben, nur ein paar verschwimmende Augenblicke lang erkannte er die Stimme des Grafen, dann sah er noch eine Ansichtskarte mit sehr viel blauem Himmel drauf, das hatte er sich immer gewünscht. Und über seinem runzeligen Zwergengesicht lag ein kindisches Lächeln.  
 

 
„Ich schreibe nicht, um vordergründig zu publizieren – in jeder Talkshow sitzt heute ein Autor -+ sondern um zu bewahren, zu erhalten und Manches geistig weiterzuentwickeln. Der ursprünglich von Lessing stammende Traktat, der dann von Heinrich von Kleist formuliert wurde > Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden< gilt für mich vor Allem beim Schreiben – die Betonung liegt auf „allmählich“- ich konnte mich deshalb nie mit Sprachcomputern anfreunden, die ein Diktat augenblicklich in einen Schriftsatz verwandeln. Aber vor etwa eineinhalb Jahren ist man an mich herangetreten, ich möge doch meine Vorlesungen und Vorträge über Hippologie in ein Format überführen, das einer interessierten Zuhörerschaft über Bildschirm oder Leinwand im Rahmen von Vorträgen oder Weiterbildungen vorgestellt werden könnte – die Corona-Epidemie mit den diversen Verboten hat offenbar den Wunsch ausgelöst, auch zu Hause am Bildschirm über Hippologie zu lernen.  Lange Wochen bin ich täglich gesessen und habe meine umfangreichen Powerpoint-Präsentationen zu einem Guss unter einem Titel zusammengeführt, anschließend habe ich in Folie für Folie mit neuen Texten – zum Mitlesen – überarbeitet und in weiterer Folge eine jede in freier Rede besprochen – wobei spontane Assoziationen ebenso eingeflossen sind, wie weiterentwickelte Gedanken. Das „Gesamtwerk“ – Text, Bilder und meine Kommentare- wurde unter dem Titel „Angewandte Hippologie“ beendet – es umfasst über 500 Text- und Bildseiten sowie einige Stunden meiner Erklärungen – es könnte, ja sollte von Interessierten weiterverwertet werden – ich bin hier offen für gute Ideen!“

Der junge Herr hatte aufmerksam zugehört, dann und wann genickt, und sagte jetzt: „Ich werde Auge und Ohr offenhalten - in letzter Zeit liest und hört man häufig von Plagiaten, also Diebstahl von Geistesgut – waren Sie davon auch schon betroffen?“

„Ich publiziere seit 55 Jahren unter den oben angeführten Kautelen, nur in ganz wenigen Fällen war meine Arbeit „käuflich“ gewesen, zu neunundneunzig Prozent habe ich meine Schriften ganz einfach öffentlich – in Büchern, Zeitschriften, Vorträgen und später dann Online als Gratis-Downloads z.B. auf www.pferd.co.at oder www.pferdesicherheit.at – zur Verfügung gestellt – „Publizieren“ heißt ja, in den Wortes eigentlichem Sinne , „Veröffentlichen eines literarischen oder wissenschaftlichen Werkes“ und nicht etwa „Verscherbeln von Worthülsen oder schlecht formulierten Texten“!

Ich bin der Ansicht, dass es einen universellen Wissenspool gibt, der in manchen Aspekten dann vielleicht individuellen Charakter haben mag, nicht zufällig sind viele Entdeckungen und Erfindungen zeitgleich an verschiedensten Orten über die Bühne gegangen, aber meist erst dann, wenn ihre Zeit „reif“ geworden ist – deshalb haben es Avantgardisten oft sehr schwer. Der Personenkreis, der – in heutiger Sprache ausgedrückt – Aneignung fremder Werte, also Diebstahl betreibt, kann nach meiner Erfahrung in drei Gruppen geteilt werden:

Da sind die plumpen, geistlosen „Nachahmer“ – sie imitieren, stellen also dümmliche, minderwertige Kopien eines vorbildhaften Originals her, sei es, indem sie Logos missbrauchen, Homepages anderer „User“ kopieren oder Texte einfach stupide abschreiben und in eigene Machwerke einbauen, ohne auch nur den geringsten Versuch einer persönlichen Erkenntnis hinzuzufügen.

Dann gibt es die schäbigen „Plagiatoren“, die Diebe geistigen Eigentums, also eines Gutes, das künstlerischen oder wissenschaftlich Wert besitzt, wobei dies in unserer Zeit der Impact-Scores – der krankhaften Sucht von Autoren, ihre Arbeiten zitiert haben zu wollen-   auch schon eine relative Wertvorstellung beinhaltet. Ich habe kürzlich in einer Fachzeitung einen Artikel gelesen, der nach fast jedem Satz einen Autorenverweis eingefügt hatte und – zusätzlich – am Ende eine fünfeinhalbseitige Literaturübersicht aufwies – der eigentliche Text der „Fachexpertin“ zu einem bedeutsamen Pferdethema war keine eineinhalb Seiten lang – keineswegs Neues, Plattitüden auf der Jagd nach Scores. Übrigens: Impact bedeutet – aus dem Lateinischen kommend – im heutigen englisch dominierten Sprachgebrauch: Meteoriteneinschlag – nun, beim erwähnten Fachartikel hat nichts „eingeschlagen“!

Die dritte Gruppe ist mir die Liebste: seriöse Autoren zitieren wortwörtlich, geben die Quelle an und setzen sich dann mit dem Zitat kritisch also zustimmend oder ablehnend, aber auch weiterdenkend, stets mit eigener Geisteskraft – auseinander. Ich persönlich betrachte das wörtliche Zitat mit umfassender Angabe der Quelle als eine respektvolle Verneigung gegenüber dem Autor – auch, oder vor Allem, wenn man selber dessen Ansicht nicht teilt. Nur so entsteht kein Leerlauf; zum Nachdenken an dieser Stelle möchte auch ich mich eines Zitats bedienen, ich weiß nicht sicher, ob es wirklich von Einstein stammt oder von einem der vielbemühten alten Philosophen: „Der Horizont vieler Menschen ist wie ein Kreis mit Radius Null. Und das nennen sie dann ihren Standpunkt“ – man kann hinzufügen, der Horizont ist der Tellerrand – die Welt bekanntlich eine Scheibe! (Cave: Nicht zitierfähig!).“

Der alte Herr nahm die Brille ab und fügte hinzu: „Es will mir scheinen, dass Ihrer Beider Interesse an Pferden und an der Wissenschaft über Pferde im Zunehmen begriffen ist, ich hatte eher mit einem Abflauen nach einigen Abenden gerechnet – bald verbringen wir den zwanzigsten Abend zusammen. Ich möchte Ihnen deshalb diesmal Lesestoff mitgeben, nach dessen Lektüre das Gefühl eines Reiters zu seinem Pferd Ihnen nachvollziehbar sein wird – ich hatte dieses Glücksgefühl mit meinem Wallach und Leibpferd >Wendel<, ein Wachtelkönig-Sohn aus einer Almfürst-Stute.“

 
 
Gründung der Austrian Driving Society
Ein Bericht, erschienen in „IN MEMORIAM ACHENBACH“ 1985

Als Mitte 1984 eine Gruppe engagierter Herren in der Bibliothek des Landschlosses Orth in Gmunden zusammentraf, um die „Österreichische Gesellschaft zur Förderung der Fahrkultur und des Fahrsports“ aus der Taufe zu heben, waren umfangreiche Vorbereitungen – und viele auslösende Gründe notwendig gewesen. Das Kulturland Österreich in seiner heutigen Form, als Schrumpfkörper einer ehedem stattgehabten und für Europa richtungsweisend gewesenen Gespann-Kultur drohte durch kleinliche Querelen und das Auftreten unliebsamer Elemente das „Gentleman- und Ladylike“ zu verlieren, eine Entwicklung, die Horsemen und Horsewomen gleichermaßen betrübte.

Gruppen und Grüppchen hatten sich gebildet, Intrige und Verleumdung hatte Hochblüte, aber – wie so oft – das Wesentliche wurde übersehen: die Gespann-Kultur unseres so traditionsreichen Landes sollte erhalten bleiben, Altes muss mit Neuem verbunden, Starrheit in die bewegliche Moderne geführt werden. Dass der Fokus vieler Fahrer nur mehr auf der Technik lag – der neue Marathonwagen wurde morgens vor den Pferden begrüßt und betätschelt – machte Viele vergessen, dass „Fahren“ in erster Linie Pferdesport ist – also primär Pferde das Maß aller Dinge sein sollten. Im Sport ist es nicht anders als in der Politik: wenn Energie für Nebensächliches und Unwesentliches verbraucht wird, ist große Leistung nicht mehr zu erwarten.

Die sich als Vorstand der Austrian Driving Society konstituierenden Proponenten fanden nun, dass es genug des Zuwartens sei und an der Zeit, Taten zu setzen.

Komm. Rat Sepp Michelfeit, Ewald Welde, HR Dr. Heinrich Lehrner

Da die Aufgaben und Absichten der nun zu gründenden Gesellschaft sich nicht alleine auf den kulturellen, sondern auch stark auf den sportlichen Sektor hin zu bewegen andeutete, war ein Konsens mit dem Bundesfachverband für Reiten und Fahren rasch gefunden, dessen Segen erteilt und somit stand der Arbeit nichts mehr im Wege. Statuten wurden erarbeitet, und mit Genehmigung der Sicherheitsdirektion für Oberösterreich – der Sitz der Gesellschaft war in Gmunden – war unter der Bescheidzahl Vr-1179/1984 der Gründungsakt vollzogen.

– Wirkl. HR Dr. Heinrich Lehrner – Präsident
– Ewald Welde – Vizepräsident
– Dr. Reinhard Kaun – Generalsekretär
– Ing. Wilfried Past – Schatzmeister
– Hans A. Krasensky -Vorstandsmitglied
– Komm. Sepp Michelfeit – Vorstandsmitglied
– Dipl. Ing. Peter Höppler – Vorstandsmitglied
– Wirkl. HR Dr. Johannes Georg Kugler (Wagenburg Schönbrunn) -Vorstandsmitglied
– Vizepräs. BFV Alfons Flatscher – Vorstandsmitglied
– Charly Iseli (CH) – Verleger und Herausgeber von IN MEMORIAM ACHENBACH – Vorstandsmitglied.
 
Der Vorstand hatte einen numerus clausus von 50 Personen beschlossen, für Bewerber war eine persönliche Patenschaft erforderlich und so trat man zunächst persönlich an Herrschaften heran, die im Sinne des Vereinsziels schon im Fahrsport integriert waren. Der hinter dieser Vorgangsweise steckende Gedanke war, dass man namhafte Persönlichkeiten aus möglichst vielen Pferde-nahen Berufen und Interessensgruppen zusammenbringen wollte, andrerseits aber das bekannte Phänomen – viele Köche verderben den Brei – unbedingt zu vermeiden war! Concours, Fortbildungen, Villen- und Schlösserfahrten und Exkursionen würden natürlich allen geladenen Interessenten offen stehen.

Der „Gesellschaft“ war es aber auch ein Anliegen, Ehrungen an Persönlichkeiten auszusprechen, deren Verdienste am Wiederaufbau einer Österreichischen Fahrkultur nach den Weltkriegen kaum je gebührend gewürdigt worden waren. Anlässlich der ersten Versammlung von geladenen Gästen, der Gründungsgeneralversammlung, verlieh Präsident HR Dr. Heinrich Lehner die Gründungs-Ehrenmitgliedschaft an: Marie Theres Gräfin von und zu Arco-Zinneberg, HR Dipl. Kfm. Mag. Hermann Moos, Dipl. Ing. DDr. Rudolf Rautschka und Ing. Helmut Kolouch – ÖR Alexander Graf Mensdorff-Pouilly, der ebenfalls zu den Geehrten zählte, konnte wegen einer pferdesportlichen Funktionärsverpflichtung nicht persönlich teilnehmen. Der Laudator fand ebenso launige wie würdigende Worte, die von den Gästen lebhaft akklamiert wurden.

Auch in der Marathon-Prüfung mit Stil: Richmond und Satchmo, an den Leinen Ewald Welde, Beifahrer Heinz Schmid

Dem Publikum, bestehend aus den ehemaligen und regierenden Staats- und Bundesmeistern, vielen aktiven Fahrern, Gönnern, Sammlern, Züchtern, Sattlern und Hufschmieden, Turnierrichtern, einigen Fahrreferenten und erlesenen Pferdemenschen wurde zusätzlicher Glanz durch die Anwesenheit SKH Prinz von Baden verliehen, der in einer kurzen Adresse die Bedeutung Gmundens als Traditionsstadt der Gespann-Kultur hervorhob und spontan seine Mitgliedschaft auf Lebenszeit anbot.

Der Direktor der Wagenburg Schönbrunn, w.HR Dr. Johannes Georg Kugler, für den Gmunden Sommerresidenz ist, bot mit seinem Vortrag den Höhepunkt; der begnadete Redner mit ungewöhnlichem Wissensumfang referierte über „Erz-herzögliche Selbstfahrer und böhmische Hofkutscher“ – langanhaltender Applaus der kundigen Zuhörerschaft schloss den offiziellen, mit eindrucksvollen Dias untermalten Teil der Veranstaltung.

 

 „Recht und Unrecht, Brüder, sind zwei ungleiche Pferde, jedes geht einen anderen Schritt. Aber manchmal ist mir`s, als sähe ich die Faust, die beide am Zügel hält und mit ihnen das Ackerfeld der Erde umpflügt. Wie soll ich ihn nennen, den rätselhaften Willen, der uns alle so elend und zu seinem Narren gemacht hat? Soll ich ihn Schicksal nennen oder Zufall oder ewiges Gesetz der Sterne?“

„Wir Spanier nennen ihn Gott“, sagte mit einem Mal eine fremde Stimme aus dem Winkel der Stube her.

Leo Perutz (1882 – 1957) „Der Marques de Bolibar“, Paul Zsolnay, 1960
 
Dokumente, Fotos, Grafiken und Literatur: Archiv & ex libris Dr. Kaun seit 1963

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