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Übergewicht bei Mutterstuten schadet auch den Fohlen
08.12.2023 / News

Die negativen Folgen von Übergewicht bei Mutterstuten machen sich auch bei ihren Nachkommen bemerkbar, so das Ergebnis der aktuellen Untersuchung.
Die negativen Folgen von Übergewicht bei Mutterstuten machen sich auch bei ihren Nachkommen bemerkbar, so das Ergebnis der aktuellen Untersuchung. / Symbolfoto: Archiv/Pixabay

Französische WissenschaflterInnen fanden heraus, dass die Milch fettleibiger Stuten ein stärker entzündungsförderndes Fettsäureprofil aufwies, was sich auch auf ihre Fohlen übertrug. Dies bestätigt frühere Ergebnisse, wonach Fohlen von übergewichtigen Stuten mit größerer Wahrscheinlichkeit osteoartikuläre Läsionen entwickelten und einen veränderten Glukosestoffwechsel aufwiesen.


Übergewicht bzw. Fettleibigkeit sind bei Pferden ein verbreitetes Problem und gehen häufig mit schwerwiegenden Stoffwechselstörungen einher, darunter Insulinresistenz, Veränderungen im Fettgewebe und der Herz-Kreislauf-Funktion, geringgradige Entzündungen und geschwächte Immunität, metabolisches Syndrom sowie Hufrehe und Veränderungen in der Darmmikrobiota. Fettleibigkeit kann zudem auch die Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen.

Als Stute in der Zucht eingesetzt zu werden ist ein Risikofaktor für Übergewicht, wie das Forscherteam der Universität Paris-Saclay in seiner jüngsten Studie einleitend feststellte. Bei mehreren Arten ist bekannt, dass mütterliches Übergewicht die Entwicklung der Nachkommen beeinträchtigt und nachweislich deren Gesundheit und Verhalten durch Mechanismen beeinflusst, die mit chronischen Entzündungen in der Mutter und der Plazenta in Verbindung stehen.

In früheren Forschungsarbeiten, in denen die Auswirkungen von Fettleibigkeit bei Müttern auf die Entwicklung und das Wachstum von Fohlen im Alter von bis zu 18 Monaten untersucht wurden, konnte dies bereits eindeutig belegt werden: Darin zeigte sich, dass übergewichtige Stuten (O-Stuten, BCS > 4,25 bei der Besamung) im Vergleich zu normalgewichtigen Stuten (N-Stuten, BCS < 4) insulinresistenter waren und während der Trächtigkeit erhöhte systemische Entzündungswerte aufwiesen. Dies übertrug sich auch auf ihren Nachwuchs: Fohlen von O-Stuten waren insulinresistenter, zeigten eine erhöhte systemische Entzündung und waren häufiger von osteoartikulären Läsionen (also Verletzungen von Gelenken, Muskeln etc.) betroffen.

Die Forscher vermuteten, dass die Plazenta und die Milch – die beide an der Schnittstelle zwischen der Mutter und dem Nachwuchs fungieren – an der mütterlichen Programmierung beteiligt sein könnten. „Die Auswirkungen von Fettleibigkeit bei Müttern auf die Struktur und Funktion der Plazenta sowie die Milchzusammensetzung sind bei Pferden jedoch noch unbekannt“, so die AutorInnen.

Zentrales Interesse der nun vorgelegten Studie war es, die Struktur und Funktion der Plazenta während der gesamten Schwangerschaft zu vergleichen und diese Ergebnisse im Hinblick auf die Fettsäurezusammensetzung des Plasmas, des Kolostrums und der Milch fettleibiger und normaler Stuten sowie des Plasmas ihrer Fohlen zu untersuchen, und zwar von der Geburt bis zum 90. Laktationstag – allesamt Fragestellungen, die bislang beim Pferd nur unzureichend untersucht und erforscht sind, so das Studienteam.

Das Forscherteam stellte die Hypothese auf, dass die Plazenten von adipösen Stuten im Vergleich zu Plazenten von normalgewichtigen Stuten stärker entzündet wären und eine erhöhte Expression von Glukosetransportern aufweisen würden. Untersucht wurde weiters die Hypothese, dass die Milch fettleibiger Stuten ein stärker entzündungsförderndes Fettsäureprofil aufweisen würde.

Die Studie konzentrierte sich auf 10 Stuten, die zum Zeitpunkt der Besamung als fettleibig eingestuft wurden, und 14 Stuten, bei denen ein normales Körpergewicht festgestellt wurde. Beide Test-Gruppen während der Laktation auf der Weide gehalten und erhielten während der Trächtigkeit und Laktation die gleiche Nahrung. Im zweiten und dritten Laktationsmonat (Sommer 2016 in der Region Limousin, Frankreich) kam es zu einer starken Hitzewelle, gefolgt von einer Dürre.

Im Rahmen der Forschung wurde den Stuten und ihren Fohlen Plasma sowie Kolostrum und Milch bei der Geburt, am 30. Tag und am 90. Tag der Laktation entnommen. Die Fettsäure-Zusammensetzung dieser Proben wurde mittels Gaschromatographie gemessen.

Die Ergebnisse waren bemerkenswert: Die Forscher fanden keine Unterschiede zwischen der normalen und der fettleibigen Gruppe hinsichtlich der Morphometrie, Struktur oder Genexpression der Plazenta. Es wurde auch kein Einfluss von mütterlicher Fettleibigkeit auf das Geburtsgewicht des Fohlens beobachtet – und zwischen den Gruppen gab es auch keine Unterschiede in der Plasma-Fettsäure-Zusammensetzung.

Allerdings war das Plasmafettsäureprofil von Fohlen übergewichtiger Stuten entzündungsfördernder und deutete auf einen veränderten Lipidstoffwechsel der Plazenta zwischen der Geburt und dem 90. Lebenstag hin. Dies war ein spannendes Ergebnis, das auch im Einklang mit der erhöhten systemischen Entzündung und dem veränderten Glukosestoffwechsel, die in dieser Gruppe bis zum Alter von 18 Monaten beobachtet wurden.

Nachdem auch das Kolostrum-Fettsäureprofil von übergewichtigen Stuten entzündungsfördernder war, deutet dies auf eine erhöhte Übertragung und/oder Entsättigung langkettiger Fettsäuren zwischen Mutterstute und Fohlen hin. Darüber hinaus erhielten Fohlen übergewichtiger Stuten ein Kolostrum, das weniger mittelkettige gesättigte Fettsäuren enthielt – diese stellen aber eine wertvolle und unmittelbare Energiequelle für das neugeborene Fohlen dar, was auch eine Rolle bei der Immunität und der Entwicklung der Darmmikrobiota spielen kann, so die AutorInnen.

Ihr Resümee: „Die Unterschiede in der Fettsäurezusammensetzung der Milch deuteten auf eine verminderte Anpassungsfähigkeit an Hitzestress bei übergewichtigen Stuten hin, was die Stoffwechselentwicklung ihrer Fohlen weiter beeinträchtigt haben könnte. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mütterliche Fettleibigkeit die Fettsäurezusammensetzung der Milch beeinflusste – und damit auch die Plasma-Fettsäure-Zusammensetzung des Fohlens – und wahrscheinlich an der Entwicklungsprogrammierung beteiligt war, die bei heranwachsenden Fohlen beobachtet wurde“, so das Forscherteam.

Es seien weitere Tests und Untersuchungen erforderlich, um auch die zugrundeliegenden Mechanismen hinter diesen Ergebnissen zu verstehen, so die AutorInnen, die abschließend auch auf die Relevanz ihrer Resultate für die Pferdewirtschaft hinwiesen: Ihre erste Studie habe jedenfalls gezeigt, dass Fohlen, die von übergewichtigen Stuten geboren wurden, mit größerer Wahrscheinlichkeit osteoartikuläre Läsionen entwickelten und einen veränderten Glukosestoffwechsel aufwiesen: „Die Auswirkungen von Fettleibigkeit bei Müttern können sich daher auf die Gesundheit und Leistung der Nachkommen im Erwachsenenalter auswirken, was direkte oder indirekte Konsequenzen (wirtschaftliche bzw. finanzielle, aber auch im Hinblick auf das Wohlbefinden) auf die Pferdewirtschaft haben könnte.“

In ihrer jüngsten Studie zeigten fettleibige Stuten im Vergleich zu normalgewichtigen Stuten eine verringerte Anpassungsfähigkeit an Hitzestress und waren daher anfälliger für die schädlichen Auswirkungen von Hitzewellen. „Diese Unfähigkeit, sich an Hitzeperioden anzupassen, kann die schädlichen Auswirkungen von Fettleibigkeit bei Müttern auf die Entwicklung der Fohlen noch verstärken. Der Klimawandel verschärft sich weltweit, insbesondere in Europa. Dieser Kontinent erwärmt sich doppelt so schnell wie der Rest der Welt, und die Häufigkeit von Hitzewellen und Dürreereignissen steigt bereits über die vorhergesagten Schwellenwerte hinaus“, so ihre Warnung. Dies alles seien weitere starke Argumente für eine bessere Überwachung des Körperzustands von Zuchtstuten.

Die Studie „Obesity during Pregnancy in the Horse: Effect on Term Placental Structure and Gene Expression, as Well as Colostrum and Milk Fatty Acid Concentration" von Morgane Robles, Delphine Rousseau-Ralliard, Cédric Dubois, Tiphanie Josse, Émilie Nouveau, Michele Dahirel, Laurence Wimel, Anne Couturier-Tarrade und Pascale Chavatte-Palmer ist am 4. Dez. 2023 in der Zeitschrift ,Veterinary Sciences' erschienen und kann in englischer Originalfassung hier nachgelesen werden.

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