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Pferde gesund reiten: Lehrstunde mit Johann Riegler & Clemens Croy
21.11.2023 / News

Johann Riegler mit Reiterin Nicole Möser und Haflinger Aloha v. Nottings Golden, der sich als ausgesprochenes Bewegungstalent präsentierte!
Johann Riegler mit Reiterin Nicole Möser und Haflinger Aloha v. Nottings Golden, der sich als ausgesprochenes Bewegungstalent präsentierte! / Foto: PZV NÖ/LK NÖ
Clemens Croy sorgte für einen grandiosen Theorie-Teil und demonstrierte auch in der Arbeit mit jungen Pferden Geschick und Feinfühligkeit.
Clemens Croy sorgte für einen grandiosen Theorie-Teil und demonstrierte auch in der Arbeit mit jungen Pferden Geschick und Feinfühligkeit. / Foto: PZV NÖ/LK NÖ
Die Schülerinnen der LFS Norbertinum in Tullnerbach haben ihre Sache ganz ausgezeichnet gemacht – Lehrmeister Johann Riegler war voll des Lobes!
Die Schülerinnen der LFS Norbertinum in Tullnerbach haben ihre Sache ganz ausgezeichnet gemacht – Lehrmeister Johann Riegler war voll des Lobes! / Foto: PZV NÖ/LK NÖ

Am 18. November ging das vielumjubelte LFI Seminar „Richtig reiten reicht: Pferde gesund reiten“ mit Johann Riegler und Clemens Croy zum zweiten Mal über die Bühne – und bot wieder eine eindrucksvolle Lehrstunde in klassischer Reitkunst und pferdegerechter Ausbildung.

 

Am Samstag, 18. November 2023 stand die LFS Norbertinum in Tullnerbach abermals im Zeichen klassischer Reitausbildung und gesunderhaltender Arbeit mit Pferd und Reiter, und zwar beim LFI Seminar „Richtig reiten reicht: Pferde gesund reiten“, das im Vorjahr seine Premiere gefeiert hatte und aufgrund des überwältigenden Erfolges heuer seine Fortsetzung fand.

Das Expertenteam Clemens Croy und Johann Riegler gab dabei abermals spannende, aufschlussreiche und praxisnahe Einblicke in an klassische Maximen orientiertes Reiten und Ausbilden. Über 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus beinahe ganz Österreich nutzten die Chance, den beiden Koryphäen bei der Arbeit mit den Pferden und Pferd-Reiter-Paaren über die Schulter zu schauen sowie im Seminarraum mit ihnen zu diskutieren. Clemens Croy ist Diplom-Tierarzt, Pferdsport-Tierarzt sowie Fachtierarzt für Chiropraktik, staatlich geprüfter Vielseitigkeitstrainer, Ausbildner für Vielseitigkeitstrainer und selbst international erfolgreicher Vielseitigkeitsreiter. Er ist somit in der „Königsdisziplin der Reiterei“ zu Hause. Johann Riegler ist ehemaliger Oberbereiter der Spanischen Hofreitschule in Wien sowie ein international hocherfolgreicher Ausbildner und Trainer von Pferden und Reitern. Das Niveau seiner Schützlinge reicht dabei „von der Remonte bis Olympia“.

„Klassische Reitkunst ist die Durchgymnastizierung des gesamten Pferdes.“

Eine pferdegerechte und gesunderhaltende Arbeit mit und Ausbildung von Pferden ist nur dann gewährleistet, wenn der Mensch das notwendige Verständnis für Psyche und Physis des Pferdes hat und sich seiner Verantwortung gegenüber dem Partner Pferd bewusst ist. Dieser theoretische Grundstein wurde am Vormittag gelegt, denn Clemens Croy, in einem ständigen Dialog mit Johann Riegler, verdeutlichte in einem aufschlussreichen und praxisnahen Vortrag neben Anatomie und Biomechanik des Pferdes auch den Einfluss des Reiters auf sein Pferd, die Skala der Ausbildung, die Hilfengebung sowie Einfluss und Einwirkung der Ausrüstung. Die beiden Experten gaben Aufschluss darüber, warum das Pferd als Flucht- und Herdentier sich wohler fühlt, wenn es an sicheren Hilfen steht, warum es für die richtige Kopf-Hals-Haltung kein Universalrezept gibt, warum Pferde auf möglichst vielen unterschiedlichen Böden gearbeitet werden sollen, dass das Reitergewicht den Schwerpunkt des Pferdes verlagert, dass der Reiter nicht von der Rückenmuskulatur, sondern von den Bauchmuskeln getragen wird, warum der Reiter der Physiotherapeut seines Pferdes ist, dass eine Diagonale im großen Viereck  im starken Trab für Sehnen und Bänder dieselbe Beanspruchung bedeutet, wie das Springen zweier L-Parcours und, dass es sehr wohl einen Unterschied zwischen Seiten- und Längsbiegung des Pferdes gibt.  

Lektionen sind nie Selbstzweck, sondern immer Mittel zum Zweck

Der Nachmittag stand im Zeichen der praktischen Demonstration und Umsetzung der Lehrinhalte in die Praxis. In zwei Sitzlongen demonstrierte Johann Riegler, wie essenziell die Unabhängigkeit des Reitersitzes sowie das Erfühlen des Pferdes ist und, dass eine Perfektion des Reitersitzes nur durch diese Arbeit möglich ist.

Durch Cavaletti- und Gymnastikarbeit kann nicht nur der Trainingsalltag abwechslungsreich gestaltet werden, sie stellt eine hervorragende Möglichkeit dar, die Pferde zu gymnastizieren, die Rückenmuskulatur zu stärken, die Hankenbeugung zu verbessern oder etwa auch die Versammlungsbereitschaft zu fördern. Um diese Vorteile und Möglichkeiten aufzuzeigen, arbeitete Clemens Croy zwei Vielseitigkeitspferde über Trab- und Galoppcavalletti sowie eine In-Out-Reihe. Die Aufgabe des Reiters ist es hierbei etwa, Rhythmus und Richtung vorzugeben, die „Arbeit“ muss das Pferd machen. In den Einheiten wurde auch deutlich, wie wichtig und hilfreich es ist, ein Pferd immer wieder vor unterschiedliche und auch vor neue Aufgaben zu stellen. Zeigte sich einer der beiden Wallache kurz abgelenkt, war er nach dem Überwinden der ersten Trabcavaletti sofort wieder konzentriert und bei seinem Reiter.

Die Skala der Ausbildung sowie die Tatsache, dass pferdegerechte Ausbildung nur dann gelingt, wenn sie individuell auf das Pferd abgestimmt und ein Schritt nach dem anderen gemacht wird, verdeutlichten die drei Dressureinheiten, in welchen Johann Riegler mit jeweils einem Pferd-Reiter-Paar auf unterschiedlichem Ausbildungsniveau arbeitete. In der Basisarbeit mit einem jungen Pferd liegt der Fokus auf Takt, Losgelassenheit und Anlehnung. Mit einer sauber vorbereiteten Galopphilfe an der richtigen Stelle in der Bahn, gelingt auch bei jungen Pferden das richtige Angaloppieren. Verfeinerung und Präzession der Hilfengebung sowie die rechtzeitige Vorbereitung des Pferdes ist entscheidend für das Gelingen einer Lektion. Dazu muss auch der Reiter früh genug wissen, was er von seinem Pferd verlangen möchte. Übergänge verbessern Durchlässigkeit und Aufmerksamkeit und auch, wenn ein Pferd mit überragenden Grundgangarten ausgestattet ist, muss der Reiter dennoch jede Gangart reiten.  Möchte man ein Pferd am Weg in die Klasse S begleiten und unterstützen, so ist z.B. das Reiten einer sauberen Schrittpirouette Voraussetzung für das Gelingen einer Galopppirouette. In beiden Lektionen müssen etwa die Paraden am äußeren Hinterbein ankommen. Dem Reiter stehen unterschiedliche Hilfen zur Verfügung und nur, wenn diese harmonieren und aufeinander abgestimmt sind, können Lektionen gelingen. Dabei muss sich jeder Reiter jedoch stets vor Augen halten, dass Lektionen immer Mittel zum Zweck und nie Selbstzweck sind. 

Ein großes Dankeschön!

Die Durchführung eines solch erfolgreichen Seminars ist nicht ohne Zusammenarbeit und Unterstützung möglich. Dank gebührt daher…

…allen voran unseren beiden Vortragenden Clemens Croy und Johann Riegler! Das Mitwirken am Seminar bedeutete für die beiden nicht nur die Zeit am Seminartag selbst, sondern auch im Vorfeld, um die Lehrinhalte vorzubereiten und abzustimmen.

… allen Pferdebesitzern und Reiterinnen, welche bei der praktischen Demonstration am Samstagnachmittag mitgewirkt haben! Die beiden Schülerinnen des Norbertinums, Sarah Rheindtova und Saphira-Zara Chupik, nutzten mit ihren Schulpferden die Möglichkeit, bei der Sitzlonge mit dabei zu sein. Nicole Möser stellte ihre selbst gezogene dreijährige Haflingerstute Aloha v. Nottings Golden vor. Johanna Schup ritt ihre fünfjährige Warmblutstute Fleurie v. Fürstenball und Lea Elisabeth Pointinger stieg in den Sattel der sechsjährigen Warmblutstute Francesca de Medici v. Franiskus (B.: Markus Stranz). Die Cavaletti- und Gymnastikarbeit demonstrierte Clemens Croy mit den beiden Warmblutwallachen Singhal v. Shamal und Sykes v. Shamal (B.: Johanna & Leopold Erasimus).

… Maria Ottersböck und dem Team der LFS Tullnerbach für die professionelle Vorbereitung und Abwicklung vor Ort, nicht nur bei diesem, sondern bei all unseren LFI Seminaren.

…Leopold Erasimus, Leopold Pingitzer und Manfred Hanus für die Gestaltung der Lehrvideos (an denen schon fleißig gearbeitet wird).

…allen fleißigen Helfern, die uns bei der Vorbereitung der Pferde und dem Aufbau für die Gymnastikeinheiten unterstützt haben!

Wir hoffen, wir konnten mit dem Seminar einen Beitrag zum Erhalt der klassischen Reitkunst leisten, Bewusstsein für gesunderhaltende und pferdegerechte Ausbildung schaffen sowie den Teilnehmern praktische Tipps für die tägliche Arbeit mit ihren Pferden und Schülern mit nach Hause geben!

DI Viktoria Egger/Verband NÖ Pferdezüchter

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