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Worauf es bei Fressbremsen für Pferde ankommt
25.07.2023 / News

Fressbremsen haben sich gut dabei bewährt, die Nahrungsaufnahme auf der Weide zu begrenzen – wenn sie richtig eingesetzt werden.
Fressbremsen haben sich gut dabei bewährt, die Nahrungsaufnahme auf der Weide zu begrenzen – wenn sie richtig eingesetzt werden. / Symbolfoto: Archiv/Fotoli/Carola Schubbel

Fressbremsen können ein hervorragendes Hilfsmittel sein, um Pferde bei der Gewichtsabnahme zu unterstützen – vorausgesetzt, man beachtet einige elementare Grundregeln, wie eine Expertin verrät.


Für Pferde und Ponys, die einen Großteil des Tages auf der Weide verbringen und dazu neigen, zu stark an Gewicht zuzulegen, kann eine Fressbremse ein hervorragendes Hilfsmittel sein. Tatsächlich kommt es nicht selten vor, dass Pferde und Ponys über den Weidegang mehr Kalorien zu sich nehmen, als sie benötigen, was zu einer stetigen, übermäßigen Gewichtszunahme führen kann.

Traditionell haben Pferdebesitzer dieses Problem gelöst, indem sie schlicht die Zeit auf der Weide begrenzen – dies funktioniert jedoch nicht immer bzw. nicht bei allen Pferden und ist auch nicht für jeden Pferdebetrieb machbar oder praktikabel. Darüber hinaus haben Untersuchungen gezeigt, dass Pferde gerade in den ersten Stunden, in denen sie Weidegang genießen, am meisten fressen. Mit anderen Worten: Eine Begrenzung der Gesamtzeit auf der Weide verringert die Futteraufnahme möglicherweise nicht so stark, wie man annehmen würde bzw. wie man es sich erhofft hatte.

Ganz abgesehen davon hat Weidegang in der Gruppe auch viele positive Effekte für das Wohlbefinden der Pferde: Er ermöglicht mehr Bewegung und damit auch mehr Kalorienverbrauch ebenso wie wichtige soziale Interaktionen – Pferde können auf der Weide also eine ganze Reihe natürlicher Instinkte und Verhaltensweisen ausleben, was ihnen insgesamt zugutekommt und ihre physische und psychische Gesundheit fördert.

Eine beliebte Option sind daher für viele Pferdebesitzer sogenannte Fressbremsen – mit denen man gleichsam zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann: Sie ermöglicht Pferden sowohl den Aufenthalt auf der Weide – begrenzt aber zugleich die Nahrungsaufnahme. Dieses Konzept funktioniert, wie man mittlerweile weiß: In einer Studie (siehe unseren ausführlichen Bericht dazu) führte die Verwendung von Fressbremsen bei Ponys, die im Stall waren, aber drei Stunden lang auf der Weide waren, zu einem Rückgang der Weideaufnahme um 83 %. Andere Studien haben Rückgänge von knapp 80 % festgestellt.

Doch um diese Vorteile zu nutzen, müssen Fressbremsen sorgfältig eingesetzt werden, so die Studien-AutorInnen weiter: Sie müssen exakt passen – und Pferde und Ponys müssen schrittweise daran gewöhnt werden, diese Hilfsmittel zu tragen. Das Gruppen- und Individualverhalten sollte genau beobachtet werden, um mögliche Veränderungen in der Gruppenstruktur und dem Gruppenverhalten sofort zu erkennen. Pferde mit Fressbremsen sollten mit diesem Hilfsmittel soweit vertraut sein, daß sie problemlos damit essen und trinken können – und zwar bevor man sie für längere Perioden auf die Weide lässt.

Praktische Tipps rund um Fressbremsen hat zuletzt auch die Ernährungs-Spezialistin Clair Thunes auf TheHorse.com zusammengestellt – hier die wichtigsten kurz zusammengefasst:

– „Bis man eine wirklich genau passende Fressbremse für sein Pferd oder Pony gefunden hat, kann es sein, dass man verschiedene Marken und Produkte ausprobieren muss, um die zu finden, mit der das Pferd gut und problemlos zurechtkommt. Es ist immer wichtig, die Empfehlungen des Herstellers hinsichtlich Passform und Verwendung genau zu befolgen. Um das Verletzungsrisiko zu verringern, sollten Fressbremsen immer am Sicherheitshalfter befestigt werden und nicht in ständigem Kontakt mit dem Pferdemaul stehen. Idealerweise sollte zwischen der Fressbremse und den Lippen des Pferdes ein Abstand von etwa 2,5 cm liegen.“

– „Nehmen Sie sich die Zeit, die Fressbremse langsam einzuführen und ihr Pferd bzw. ihre Pferde behutsam daran zu gewöhnen. Setzen Sie Fressbremsen zunächst nur für kurze Zeit ein und verlängern Sie die Tragedauer, wenn das Pferd zeigt, dass es entspannt ist. Ein Pferd sollte höchstens 10-12 Stunden am Tag eine Fressbremse tragen. Da Pferde nach dem Entfernen der Fressbremse Gras fressen können, ist es wahrscheinlich am besten, sie zu diesem Zeitpunkt von der Weide zu nehmen und in den Stall oder auf eine Sandkoppel zu stellen.“

– „Versuchen Sie, das Pferd an der Hand grasen zu lassen und Leckerlis durch die Fressbremse zu füttern, damit Sie es aufmerksam beobachten und sicherstellen können, dass es bequem fressen und trinken kann. Bedenken Sie, dass das Gras eine bestimmte Länge haben muss, damit es das Pferd problemlos mit der Fressbremse aufnehmen kann. Zu langes Gras faltet sich um und ist für das schwer zu fressen, auch zu kurzes Gras ist durch die Fressbremse kaum zu erreichen. Beides kann manche Pferde ziemlich zornig machen und ihren Stresspegel erhöhen.“

– „Abhängig von Ihrem Pferd müssen Sie die Fressbremse nicht das ganze Jahr über verwenden. Dies ist möglicherweise nur dann erforderlich, wenn das Gras am besten und reichlichsten ist, was normalerweise im Frühling und Herbst der Fall ist. Wenn Ihr Pferd aber am metabolischen Syndrom (EMS) des Pferdes leidet oder mit einer Insulin-Dysregulation zu kämpfen hat, kann es notwendig sein, die Fressbremse das ganze Jahr über zu tragen, da diese Erkrankungen nicht nur eine Gewichtskontrolle, sondern auch eine verringerte Zuckeraufnahme erfordern, die bei Weidegräsern recht hoch sein kann.“

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