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Pergolid-Alternative: Neue Behandlung für Cushing-Pferde
06.05.2024 / News

Vor allem ältere Pferde sind sehr häufig von Cushing betroffen – typische Symptome sind ua. ein übermäßiger Haarwuchs, Muskelschwund sowie eine Neigung zu Hufrehe.
Vor allem ältere Pferde sind sehr häufig von Cushing betroffen – typische Symptome sind ua. ein übermäßiger Haarwuchs, Muskelschwund sowie eine Neigung zu Hufrehe. / Symbolfoto: Archiv/University College Dublin

Einer aktuellen Studie zufolge könnte Cabergolin eine vielversprechende Behandlungsoption für Pferde mit Cushing-Syndrom sein – und eine effektive Alternative für das vielfach eingesetzte Pergolid.


Morbus Cushing oder Hypophysen-Pars-Intermedia-Dysfunktion (PPID) ist die häufigste endokrine Erkrankung bei älteren Pferden und kommt in der klinischen Praxis verbreitet vor – epidemiologische Studien haben eine Krankheitsprävalenz von etwa 15–30 % bei Pferden über 15 Jahren gezeigt.

Zu den mit Cushing verbundenen klinischen Symptomen gehören übermäßiger Haarwuchs (Hypertrichose), Hufrehe (Laminitis), vermehrte Harnausscheidung (Polyurie), ein krankhaft gesteigertes Durstgefühl (Polydipsie), Lethargie, Muskelschwund und verzögerte Wundheilung.

Cushing ist auf eine erhöhte Aktivität im Zwischenlappen der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) zurückzuführen. Diese übermäßige Aktivität wird  Nervenschäden zugeschrieben, die ihre Regulierung beeinträchtigen, wobei Dopamin als entscheidender Neurotransmitter fungiert. Bei einem Mangel an Dopamin wird die Hypophyse überaktiv, was zur Ausschüttung verschiedener Hormone führt, etwa des adrenocorticotropen Hormons (ACTH).

Neben einer guten Haltung umfasst die Behandlung von PPID u.a. auch den Einsatz sogenannter dopaminerger Agonisten, die die Peptidsekretion aus der Pars intermedia reduzieren. Dopaminerge Agonisten sind Medikamente, die die Wirkung von Dopamin nachahmen, sie wirken durch die Stimulierung von Dopaminrezeptoren in der Hypophyse. Diese Stimulation führt zu einer Hemmung der Freisetzung bestimmter Hormone, einschließlich ACTH, und lindert dadurch klinische Symptome wie abnormales Haarkleid, Muskelschwund und Hufrehe.

Pergolid, ein Dopamin-Agonist, gilt heutzutage als primäre Behandlung zur Behandlung von Cushing und ist für die orale Verabreichung bei Pferden zugelassen. Allerdings kann es bei einigen Pferden zu einer Resistenz gegen die tägliche orale Gabe kommen. Cabergolin, ein weiterer Dopaminagonist wie Pergolid, ist derzeit nicht für die Anwendung bei Pferden zugelassen.

Eine kürzlich von Tania Sundra von Avon Ridge Equine Veterinary Services in Brigadoon, WA, Australien, zusammen mit Kollegen durchgeführte retrospektive Studie untersuchte die Wirksamkeit der intramuskulären Injektion von Cabergolin mit verlängerter Freisetzung (ERC) bei der Behandlung von Cushing. Obwohl diese Behandlungsmethode nicht zugelassen ist, wird sie in der klinischen Praxis zunehmend off-label zur Behandlung von PPID eingesetzt. Die Studie untersuchte klinische Aufzeichnungen von Privatpferden mit PPID, die sich in der Avon Ridge Equine Clinic einer intramuskulären Cabergolin-Behandlung unterzogen hatten.

Die Studie untersuchte die kurzfristigen (5–8 Tage) und längerfristigen (12 Monate) klinischen und endokrinologischen Reaktionen auf zwei Cabergolin-Dosen: eine niedrige Dosis (0,005 mg/kg) Cabergolin mit verlängerter Freisetzung (LDERC) und eine hohe Dosis (0,01 mg/kg) Cabergolin mit verlängerter Wirkstofffreisetzung (HDERC).

Die Ergebnisse waren durchaus vielversprechend: Fünf bis acht Tage nach der ersten niedrigen Cabergolin-Dosis war die mittlere Konzentration von ACTH niedriger und reduzierte sich von 153 pg/ml auf 57 pg/ml. (pg = 1 Pikogramm = 1 Billionstel Gramm). Bei der höheren Cabergolin-Dosis betrug die mittlere ACTH-Konzentration ebenfalls 153 pg/ml vor und dann 56 pg/ml nach 5–8 Tagen Behandlung. Über einen Behandlungszeitraum von 12 Monaten lag die ACTH-Konzentration bei der niedrigen Cabergolin-Dosierung zwischen 14 und >1.250 pg/ml (Median: 51 pg/ml) und bei der höheren Dosierung zwischen 20 und 472 pg/ml (Median: 50 pg/ml). Bei 39,3 bzw. 52,3 % der mit LDERC bzw. HDERC behandelten Pferde blieben die Messwerte über dem saisonalen Referenzbereich.

Ähnliche Reaktionen wurden jedoch auch in früheren Studien zur Behandlung von PPID mit Pergolid festgestellt, wie die AutorInnen anmerkten. Dennoch wurden die Behandlungs-Fortschritte auch von den Haltern bzw. Besitzern der Pferde bestätigt: Sie berichteten von einer klinischen Verbesserung bei 78,3 % bzw. 100 % der mit niedriger bzw. höherer Dosierung behandelten Pferde.

Häufige Nebenwirkungen von Dopamin-Agonisten wie verminderter Appetit, Lethargie, Magen-Darm-Beschwerden und Verhaltensänderungen wurden beobachtet. Bemerkenswert ist, dass bei 30 % der LDERC-Fälle und 60 % der HDERC-Fälle eine teilweise, selbstlimitierende Appetitlosigkeit berichtet wurde, wobei sieben Pferde Lethargie zeigten.

Bei teilweiser Magersucht stellten die Besitzer fest, dass Pferde langstieliges Futter (Heu oder Gras) Futtermitteln auf Getreidebasis vorzogen. Die beobachteten klinischen und endokrinologischen Reaktionen stimmten mit früheren Berichten über die orale Pergolidbehandlung überein.

Die AutorInnen hielten fest, dass die wöchentliche Injektion von ERC eine wirksame Alternative zu Pergolid sein könnte. Die Dosis von 0,005 mg/kg schien genauso wirksam zu sein wie die Dosis von 0,01 mg/kg, jedoch mit einem geringeren Risiko einer Appetitlosigkeit. Ihr Resümee: „Die klinischen und endokrinologischen Reaktionen stimmten mit den Ergebnissen früherer Berichte über die orale Pergolidbehandlung überein. Die wöchentliche Injektion von ERC kann eine wirksame Alternative zu Pergolid sein. Die 0,005 mg/kg-Dosis schien ebenso wirksam zu sein und ein geringeres Risiko einer Appetitlosigkeit aufzuweisen als die 0,01 mg/kg-Dosis, über die zuvor berichtet wurde.“

Insgesamt erwies sich Cabergolin somit als vielversprechende Behandlungsoption für Cushing-Pferde – wenngleich noch weitere Untersuchungen erforderlich sind, um seine Wirksamkeit, sein Sicherheitsprofil und optimale Anwendungsprotokolle vollständig zu ermitteln, so die AutorInnen zusammenfassend.

Die Studie „Retrospective assessment of the use of extended-release cabergoline in the management of equine pituitary pars intermedia dysfunction" von Tania Sundra, Erin Kelty, Gabriele Rossi und David Rendle ist am 6. März 2024 in der Zeitschrift ,Frontiers in Veterinary Science' erschienen und kann in englischer Originalfassung hier nachgelesen werden.

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