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Schon gewusst: Reiten prägt den Charakter – im positiven Sinn
09.07.2016 / Wissen

ReiterInnen brauchen ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Sensibilität für die feine Körpersprache der Pferde – und diese Fähigkeiten kommen ihnen im Umgang mit anderen Menschen zu Gute, so die Studie der FN.
ReiterInnen brauchen ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Sensibilität für die feine Körpersprache der Pferde – und diese Fähigkeiten kommen ihnen im Umgang mit anderen Menschen zu Gute, so die Studie der FN. / Foto: Simone Aumair

Sind Reiter tatsächlich die besseren Menschen und profitieren vom Umgang mit dem Pferd – oder bilden sich das die Reiter nur ein? Die Deutsche FN hat dazu eine Studie in Auftrag gegeben – die zu einem eindeutigen Ergebnis kam.

 

Im August 2012 wollte es die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) wissen und ließ in einer Studie die Auswirkungen des jahrelangen Umgangs mit Pferden auf die Charakterbildung untersuchen. „Wir waren immer überzeugt vom positiven Einfluss des Pferdes auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, denn es entspricht unseren Erfahrungen und Beobachtungen. Wir wollten aber wissen, ob unsere Einschätzungen und Argumente stimmen bzw. was genau die Wirkung ist", erklärt Soenke Lauterbach, Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, den Grund für die Studie. Die Ergebnisse helfen zum einen bei der Vertretung der Interessen der Pferdesportler – etwa beim Kampf gegen die Pferdesteuer. Zum anderen sprechen die Studienergebnisse für das Hobby mit dem Pferd. „Mit der Studie haben nicht nur wir Pferdesportverbände, sondern auch alle, die sich in unseren Vereinen und Betrieben engagieren, jetzt handfeste Argumente pro Pferd."

Selbstbewusstsein für Kinder & Jugendliche
Die Ergebnisse sind besonders für Eltern interessant, die sich Gedanken um eine sinnvolle Sportart für ihre Kinder machen. Schließlich wollen viele Mütter und Väter ihren Kindern ein gesundes Selbstbewusstsein vermitteln, das es ihnen erlaubt, zielstrebig und gefestigt ihren Weg zu gehen. Offenbar fördert der „Coach Pferd" diese positiven Charaktereigenschaften: führungs- und durchsetzungsstark, zielstrebig, begeisterungsfähig, wettbewerbsorientiert, belastbar und strukturiert – bei diesen Eigenschaften wiesen die Reitern höhere Ausprägungen aus als die Nicht-Reiter.

Auch im zwischenmenschlichen Bereich zeigten sich deutliche Unterschiede. „Der enge Kontakt mit dem Tier erfordert ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Sensibilität für die feine Körpersprache der Pferde. Diese Fähigkeiten kommen Reitern im Umgang mit anderen Menschen zu Gute", betont Soenke Lauterbach. Davon profitieren vor allem junge Leute. Sie finden im Pferd nicht nur einen Freund, dem sie ihre Sorgen und Nöte erzählen können, sondern lernen von ihm „fürs Leben".

Reiter sind zufriedener
Der Kontakt zum Pferd zeigt auch eine unmittelbare Wirkung: Die befragten Reiterinnen und Reiter fühlten sich durch das Hobby „Pferd" ausgeglichener und zufriedener. Außerdem schätzten sich die Befragten in deutlich höherem Maß als Nicht-Reiter als naturverbunden, sportlich und aktiv ein. Untersucht wurden 411 Reiter im Alter von 14 bis 65 Jahren, von denen 91 Prozent weiblich und 9 Prozent männlich waren. Sie nahmen über ein Online-Tool an der Studie teil. Um einen direkten Vergleich zu haben, wurde jeweils ein statistischer Zwilling gesucht. Das heißt, die Forscher befragten parallel 402 Nicht-Reiter, die in der Geschlechterverteilung, im Alter und dem Einkommen der Gruppe der Reiter entsprachen.

Um eventuelle Persönlichkeitsunterschiede festzustellen, wandte Studienleiter Dipl. Psychologe Johannes Schneider von der decode Marketingberatung (Hamburg) sogenannte implizite Verfahren an. Dabei werden unbewusste Inhalte mit Hilfe der Reaktionszeit gemessen. „Implizite Methoden sind in den Sozialwissenschaften der führende Ansatz, um genau die Inhalte messen zu können, über die Menschen in der Regel nur bedingt Auskunft geben können oder wollen. Gerade wenn es um Themen wie unseren Charakter oder unsere Persönlichkeitseigenschaften geht, sind daher implizite Messverfahren wissenschaftlicher Standard, um an Inhalte zu kommen, die eher unbewusst sind", begründet Johannes Schneider die angewandte Methodik.

Im Vorfeld der Studie hatte die Kölner wirtschaftspsychologische Beratungsgesellschaft transform unter Leitung der Dipl. Psychologin Barbara Grohsgart sechs geleitete Gruppendiskussionen mit Reitern und Eltern von reitenden Kindern durchgeführt. Die Ergebnisse flossen als Thesen in die anschließende repräsentative Studie ein.

Die Detailergebnisse der Studie „Was macht das Pferd mit uns?" sowie weitere Unterlagen stehen auf der Website der Deutschen Reiterlichen Vereinigung unter diesem Link zur Verfügung.

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