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Biotechnologie in der Pferdezucht: Besamung und Samentechnologie
18.01.2017 / Wissen

Dem Pferdezüchter stehen heute viele Wege und Methoden zur Verfügung, um zu einem Fohlen zu kommen...
Dem Pferdezüchter stehen heute viele Wege und Methoden zur Verfügung, um zu einem Fohlen zu kommen... / Foto: Martin Haller

Moderne Biotechnologie hat die Pferdezucht revolutioniert und dem Züchter viele neue Möglichkeiten eröffnet. Der Tierarzt und Experte für Reproduktions-Biotechnologie – Dr. Sven Budik – über aktuelle Wege und Methoden in der Pferdezucht.

 

Die Reproduktionsbiotechnologie in der Pferdezucht war im Vergleich zur Rinderzucht lange unbedeutend. Das änderte sich beginnend mit den 1980er Jahren als der Trend zur künstlichen Besamung beim Pferd in Mitteleuropa und da vor allem in Deutschland begann. In der Praxis war lange Zeit nur die Besamung mittels Frischsamen von Bedeutung (also Hengstsamen, der durch Verdünnung und Kühlung für 24h Versand haltbar gemacht wird und weitere 48h in der Stute befruchten kann). Durch diese Samenkonservierung wurde es dem Stutenhalter also leichter gemacht:  Anstatt mit seiner Stute (und eventuellem Fohlen) quer durch Europa zu fahren kommt der Tierarzt ins Haus und besamt die Stuten oder diese werden in eine Besamungsstation verbracht, die sich üblicherweise in der Nähe befindet. Diese große Bedeutung hat der Frischsamenversand bis heute beibehalten. Als züchterische Konsequenzen sind eine größere Gewichtung der momentan in Mode befindlichen Hengste und ein Zurückdrängen der privaten Hengsthaltung in kleineren Pferdezuchten zu bemerken. Der Einsatz von kryokonserviertem Pferdesamen (also durch Tieffrieren mittel flüssigem Stickstoff bei -196°C) ist vom Management der Stuten aufwendiger: Der beste Weg ist die Stute post-ovulatorisch (das heißt nach dem Eisprung) zu besamen, da die im Eileiter befindliche Eizelle noch 8-12h befruchtungsfähig bleibt. Mit diesem Management benötigt man daher pro Rosse auch nur eine Portion (das ist sehr wichtig, da Tiefgefriersamen normalerweise pro Besamungsportion verkauft wird). Um allerdings sicher zu sein, dass die Eizelle nicht vor mehr als 6 Stunden ovuliert wurde muss die Stute alle 6 Stunden rektal und mittels Ultraschall untersucht werden.  Das kann aus logistischen Gründen fast nur an einer Klinik durchgeführt werden. Alternativ kann man mittels „timed insemination“ arbeiten:  Also die rossige Stute bekommt wenn Sie einen Follikel hat der größer 3,5 cm ist ein Hormonpräparat (meist HCG) zur Ovulationsauslösung. Die Ovulation sollte mit über 80% Wahrscheinlichkeit in den nächsten 48h eintreten. Daher wird dann nach 36 und 48h nach HCG Gabe besamt – was allerdings die Sache verteuert, da zwei Besamungsportionen verwendet werden müssen.

Der Einsatz von gesextem Samen (bei dieser Methode werden weibliche von den männlichen Samenzellen aufgrund Ihres unterschiedlichen Gehaltes an DNA mittels Flow Zytometer getrennt) ist beim Pferd im Gegensatz zum Rind noch nicht praxistauglich! Das liegt vor allem an der viel größeren Besamungsdosis, die beim Pferd nötig ist und auch daran, dass die Samenzellen beim Pferd empfindlicher auf das „semen sorting“ reagieren als beim Rind.

Das Stut- oder Hengstfohlen auf Wunsch ist momentan also nur auf anderem Wege machbar – durch Reproduktionsbiotechnologie bei der Stute, der ich mich in einem weiteren Beitrag widmen werde.

Dr. Sven Budik ist Pferdezüchter, Reproduktionsbiotechnologe und Tierarzt sowie Mitarbeiter der Plattform Besamung und Embryotransfer der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

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